Von Stuttgart nach Nischni Nowgorod

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Gorochowez – eine alte russische Stadt

Ein zweitägiger Ausflug führte uns nach Gorochowez, das wir 2017 schon einmal besucht hatten. (Blog vom 22.05.17) Marina, Roses Kollegin und Autorin des Theaterstückes „Kommt wieder – aber ohne Waffen“, hatte uns wieder dahin eingeladen.

Die kleine Reise begann mit einem Irrtum, denn Marina hatte unser Zusammentreffen am Bahnhof in Nischni Nowgorod eine Stunde zu früh angesetzt. Das war aber kein Grund zum Ärgern, eher im Gegenteil. So konnten wir noch einen Spaziergang in den Park „1. Mai“ machen. Es regnete zwar, aber es war nicht mehr kalt. Der Park war für den „Tag Russlands“ geschmückt (12. Juni). Aus dem Irrtum wurde in typisch russischer Art ein Vergnügen gemacht.


Im Park „1. Mai“ am „Tag Russlands“ 2018.

Als wir nach etwa anderthalb Stunden Fahrt in Gorochowez aus der Elektrischka stiegen, wurden wir sofort umschwärmt und zwar von „Moschki“, kleinen Fliegen, die unter die Brillenbügel, in die Ärmel und die Anorak Kapuze kriechen, um an die Haut zu gelangen und dort ihr schmerzhaftes Treiben beginnen zu können. Das schwüle feuchte Wetter machte die Plagegeister besonders aktiv. Kurze Pausen brachten uns nur die gelegentlichen Regenschauer. Die Meschki kommen nicht in Wohnräume, anders als die Stechmücken, die dort auch umherschwirrten, aber vergleichsweise harmlos blieben.


Moschki, Mitches, Kriebelmücken, Gnitzen, egal welche Sprache – sie sind immer lästig

Gorochowez, der 80 km westlich von Nischni Nowgorod gelegene 13.000 Einwohner-Ort an der Kljasma feiert vom 20. bis 22. Juli sein 850jähriges Gründungsjubiläum. In dieser Kleinstadt gibt es drei aktive Klöster, zehn Kirchen und – wie uns die Führerin stolz erzählte – sieben steinerne Kaufmannspaläste aus dem 17. Jh. In ganz Russland sind zwanzig erhalten, in Nischni Nowgorod stehen nur drei davon. Gorochowez hofft ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen zu werden.

Der Ort war zuerst militärischer Stützpunkt an der Kljasma, seine Blütezeit begann im 17. Jh. als altgläubige Kaufleute durch Handel und durch die Erzeugung von Obst- und Beerenweinen zu Reichtum kamen, mit dem sie, ihrem Glauben gemäß zum Mäzenatentum verpflichtet, Kirchen und Klöster bauten. Nach einem Stillstand im 18. Jh. brachte dann der Schiffsbau im 19. Jh. einen erneuten Aufschwung, jetzt wurden vor allem Schulen, Kranken- und Waisenhäuser errichtet.


Ein steinernes Kaufmannshaus aus dem 17. Jahrhundert.

Zur Feier des 850-jährigen Bestehens erwartet der Ort Putin und den Patriarchen Alexej. Die Vorbereitungen für das Fest sind im vollen Gange. Einige Kirchen sind eingerüstet, andere bieten mit rohem Ziegelmauerwerk einen ungewöhnlichen Anblick, weil der Putz entfernt und noch nicht wieder aufgebracht wurde. Bei unserem ersten Besuch hatten wir sie noch im strahlenden Weiß erlebt. Bis zu den Festlichkeiten in fünf Wochen scheint nur wenig Zeit, um alles wieder in den schmucken ursprünglichen Zustand zu bringen, aber da wir erlebt haben, wie schnell man in Nischni Nowgorod ganze Straßenzüge für die WM restaurierte, haben wir keinen Zweifel, dass alles rechtzeitig fertig wird. Die Arbeiten in Gorochowez waren noch voll im Gange – mit viel Lärm und viel Staub, der die Umgebung einnebelte.


Die Kirche des Maria-Reinigung Klosters ohne Putz.


Das Dreifaltigkeits-Nikolei Kloster, auf einem 80 m hohen Hügel über der Stadt gelegen, prangte noch in strahlendem Weiß.


Das Abschleifen des Putzes ist eine staubige Angelegenheit

Marina kam angesichts der Moschki und des Staubes ein Spruch Puschkins in den Sinn (obgleich es bei ihm kein Baustaub, sondern Straßenstaub war):

Ах, лето красное, любил бы я тебя,
Когда б не пыль, да комары, да мухи.

Ach, schöner Sommer, wie liebt‘ ich dich
Gäb es nicht Staub und Mücken und Fliegen.


Backsteinhaus aus dem 19. Jahrhundert

Aus dem 19. Jh. sind ansehnliche Backsteinhäuser erhalten und, besonders interessant, einige Holzhäuser im Jugendstil. Im letzten Jahr wurde im Marosow Haus ein Museum eingerichtet, in dem Möbel und Gebrauchsgegenstände der Werftbesitzer aus dem 19. Jh. zu sehen sind.


Kaufmannshaus im Jungendstil aus Holz

Wir wohnten in dem modernen Hotel „Купическая Изба“ (Kaufmannshütte), das Ferienwohnungen in Blockhäusern, eine Banja (Sauna) und ein Schwimmbecken anbietet und das wir sehr empfehlen können.


Im Hotel „купеческая Изба“ Kaufmannshütte (auf der Leninstraße)

Im Blog „erlangenwladimir.wordpress.com“ wird Gorochowez ein vergessenes Kleinod des Goldenen Ringes genannt. Es ist tatsächlich ein architekturhistorisches Gesamtdenkmal mit charakteristischen Bauwerken aus vielen Jahrhunderten.

 

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Flugpionier Tschkalow

In dem kleinen Ort Tschkalowsk an der Wolga, der bis 1937 Wassiljowo (Василёво) hieß, wurde der berühmte Testpilot Waleri Pawlowitsch Tschkalow geboren. Sein Denkmal steht in Nischni oberhalb der nach ihm benannten Tschkalow-Treppe. Er flog 1937 von Moskau über den Nordpol nach Vancouver – zusammen mit zwei weiteren Piloten, die meist nur am Rande erwähnt werden. (Georgi Filippowitsch Baidukow und Alexander Wassiljewitsch Beljakow). Tschkalow wurde mit allen möglichen Ehrungen und Orden der Sowjetunion bedacht. In dem Ort ist das Museum, sein Elternhaus, ganz seinem Leben und seinen Flügen gewidmet.

Die ANT-25, mit dem 1937 der Rekordflug von Moskau nach Vancouver gelang

Eine große Überraschung war der Besuch des Hangars neben dem Museum. Die dort ausgestellten Flugzeuge wurden alle von Tschkalow getestet, auch die ANT-25, mit der 1937 der spektakuläre Flug über den Nordpol nach Vancouver gelang. Ich will gestehen, dass ich mich bisher für die Geschichte der Luftfahrt nicht sonderlich interessierte, deshalb war ich sehr erstaunt zu lernen, dass in den 30er Jahren schon solch riesige Flugzeuge gebaut und geflogen werden konnten. Die ANT-25 hatte eine Spannweite von 34 Metern, ein Fluggewicht von 11 Tonnen und eine Reichweite von 15000 km. Die drei Piloten saßen hintereinander in dem engen Rumpf. In Beschriftungen und auf den Landkarten des Fluges ist Vancouver, das ja in Kanada liegt, mit dem Zusatz „USA“ versehen. Dies konnte niemand erklären, auch nicht eine der zahlreichen, sonst gut informierten Museumsführerinnen. Ein Flug in die USA, nämlich nach San Francisco, fand erst später statt.

Es bleibt interessant in Nischni Nowgorod

 

Die letzte Station unserer dreiwöchigen Russlandreise nach den Aufenthalten in Moskau und in Wladimir war Nischni Nowgorod. Siehe hierzu die Beiträge „Vier Tage in Moskau“ vom 3. Juni 2018, „Ein Russionär zwei Tage in Wladimir“ vom 7. Juni 2018 und „In Nischni Nowgorod – vor der WM“ vom 11. Juni 2018. Hier noch einige Ergänzungen.
Unsere Ankunft in Nischni Nowgorod, der Stadt, in der wir von 2014 bis 2017 gelebt hatten, brachte gleich eine Überraschung. Der Zug Lastotschka (Schwalbe), fuhr gerade in den Bahnhof ein, als der Vermieter unserer Ferienwohnung anrief. Wir könnten das gewünschte Appartement nicht bekommen, weil aus der darüberliegenden Wohnung Wasser tropfe und deren Besitzer nicht auffindbar sei. Deshalb sei das Wasser im Haus abgestellt. Es könne länger dauern bis das Problem gelöst sei. Er bot uns eine andere Wohnung an, die uns aber nicht gefiel. Da hatte meine Frau die großartige Idee, die Vermieterin der Wohnung anzurufen, in der wir die drei Jahre vorher gewohnt hatten. Und siehe da, die Wohnung war frei. „Gerne könnten wir sofort einziehen“. Das war die beste aller denkbaren Lösungen.
Die nächste Hürde, die es zu überwinden galt, war die der Registrierung im Migrationsbüro, eine Aufgabe unserer Vermieterin. Bisher erledigten dies die Hotels oder das Gymnasium, in dem meine Frau arbeitete. Jetzt erlebten wir hautnah, was die hiesige Bürokratie an Schwierigkeiten zu bieten hat. Bei dem Ausfüllen des zweiseitigen Formulars darf es keinerlei Ausbesserungen geben. Ein Buchstabe einmal übermalt führt gnadenlos dazu, dass alles neu geschrieben werden muss. Unsere Vermieterin war an zwei Tagen dort jeweils knapp zwei Stunden mit dem Ausfüllen der Papiere beschäftigt. Unser Mitleid lehnte sie ab. „Das ist noch schnell gegangen, weil ich die einzige Kundin war. Wenn viele Leute dort sind, muss man sich mit den neu geschriebenen Seiten immer am Ende der Schlange anstellen und falls man in den Dienststunden nicht mehr drankommt, am nächsten Tag wiedererscheinen. Manche brauchen dazu eine Woche.“
Nicht weit von unserer Wohnung verläuft eine Schlucht hinunter zur Oka. Den Weg an ihrem Rand gingen wir in den letzten Jahren oft, wenn wir dem Verkehr entgehen und das üppige Grün genießen wollten. Jetzt stand am Wegesrand, dort wo die Universitetskaja Ulitza über eine Fußgängerbrücke führt, ein Holzkreuz. Es ist ein Denkmal für die Opfer des Roten Terrors (1917 bis 1921), dem in Russland unzählige Menschen zum Opfer fielen. In Nischni Nowgorod wurden sie an dieser Stelle erschossen. Unser beliebter Spazierweg war vor hundert Jahren ein Ort des Schreckens, eine schockierende Vorstellung.


Aufschrift: Denkmal für die Nischegoroder, die hier an der Potschaninski Schlucht in den Jahren des Roten Terrors von den Tschekisten erschossen wurden

Unser Aufenthalt in Nischni Nowgorod vom 30. Mai bis 14. Juni 2018 wurde durch das kühle und feuchte Wetter ziemlich beeinträchtigt, da wir weder von unseren Erwartungen noch von unserer Kleidung her darauf vorbereitet waren. Morgens etwa 4 Grad, mittags maximal 12, dazu ein kalter Wind und Regenschauer, damit hatten wir nicht gerechnet. Umso mehr genossen wir die Sonnenstunden, in denen sich die Fußgängerzone Bolschaja Pokrowskaja mit Spaziergängern füllt, Musikgruppen aufspielen, die Verkaufsbuden öffnen und ein buntes Treiben einsetzt, was sich auch von den Ausbesserungs- und Verschönerungsarbeiten nicht stören lässt. Da werden Pflastersteine ausgewechselt, Informationssäulen für die WM aufgestellt, Wände gestrichen – und das alles mitten im Strom der Spaziergänger.

Fußgängerzone Pokrowka, mal ohne Regen

Nach einer langen Fotopirsch beim WM-Stadion (siehe die Fotos im vorigen Beitrag vom 11.06.18) wollte ich vom Einkaufszentrum „Siebter Himmel“ mit der Metro fahren, die neuerdings bis zum Stadion ausgebaut ist. Auf meine Frage nach dem Weg wurde mir die Richtung gewiesen und tatsächlich sah ich bald ein großes Schild „METRO“. Leider handelte es sich hier um einen Laden des Großhandels mit diesem Namen. Ein junger Mann klärte mich auf: Die U-Bahn Metro wird auf der zweiten Silbe betont, die Handelskette auf der ersten, was ich natürlich bei meiner Frage nach dem Weg nicht wusste. Als ich dann endlich – mit beginnenden Ermüdungserscheinungen – bei der auf der zweiten Silbe betonten Metró ankam, war die Station wegen Bauarbeiten geschlossen. An der nächsten Ampel fragte ich einen Mann mit Kinderwagen nach dem Weg zur einer Bushaltestelle. Er erkannte meine Sprachprobleme, sagte kurz entschlossen „dawaj, poschli“ und führte mich sogar bis zum Moskauer Bahnhof – weiter als ich eigentlich laufen wollte. Dabei musste er den Kinderwagen bei der Brücke über die sechsspurige Straße treppauf, treppab tragen. Für ihn sei das kein Umweg, er wolle sowieso spazieren gehen, antwortete er auf meine Frage, ob das nicht zu weit für ihn wäre und er zeigte auf den Kinderwagen mit seinem Enkel. Zum Abschied strahlte er über das ganze Gesicht. Nach dieser kurzen Begegnung vergaß ich meine Müdigkeit, die Bürokratie und das schlechte Wetter.


Der hilfsbereite Weglotse an einer Straßenbrücke

Von Nischni Nowgorod aus machten wir kurze Reisen nach Tschkalowsk und nach Gorochowez. Darüber folgt ein eigener Betrag.

In Nischni Nowgorod – vor der WM

Im Juni dieses Jahres waren wir vierzehn Tage in Nischni Nowgorod, in der Stadt, in der wir bis August 2017 drei Jahre gelebt hatten. Hier finden sechs Spiele der WM 2018 statt und wir waren gespannt, was wir von den Vorbereitungen bemerken würden. Mit einem Satz: Sie sind unübersehbar. Wenn „König Fußball“ kommt, wird die ganze Stadt geschmückt.
Gleich der erste Spaziergang führte uns an das hohe Oka-Ufer, von dem wir in den letzten drei Jahren oft auf die Alexander-Newski-Kathedrale jenseits des Flusses und die dahinterliegende Baustelle des WM-Stadions geblickt hatten. Wir waren neugierig darauf zu sehen, wie sich das große Stadion in die Umgebung einfügt und waren überrascht: Es erdrückt die anderen Gebäude nicht. Seine Außenwand besteht aus einem weißen Säulenring, deshalb wirkt der große Baukörper leicht und luftig. Die „Strelka“ (Landzunge zwischen Wolga und Oka) ist immer noch ein schöner Anblick: Das weiße Stadion bildet einen guten Kontrast zu der gelben Kirche. Zudem: Die Hafenkräne, die bisher bei der Kathedrale standen und das Bild verschandelten, sind verschwunden.

Hinter der Kanawinski Brücke der Säulenring des WM- Stadions, rechts die Newski-Kathedrale, vorn links die goldene Kuppel des Maria-Verkündigung Klosters


WM-Stadion vom Vorplatz der Newski-Kathedrale aus gesehen


Der Säulenring wirkt freundlich


Hier wird noch gearbeitet (10.06.2018)

Ein großer Gewinn ist die neu zugänglich gemachte Uferpromenade „Nischnewolschskaja Nabereschnaja“, auf der man jetzt von der Kanawinski Brücke bis zur Tschkalow-Treppe spazieren kann, zunächst an der Oka und dann an der Wolga, was von den Nischegerodern gern genutzt wird. Auffallend ist wieder, dass es auf der ganzen Strecke – es sind zwei Kilometer – keine Essen- oder Getränkeangebote gibt, lediglich einige Eisverkäufer bieten ihre Ware feil.


Von der neuen Uferpromenade blickt man auf die Newski-Kathedrale und das Stadion.


Letzte Arbeiten auf der neuen Promenade

Besonders auffällig sind die neu gestrichenen Häuser in vielen Straßen. Die Ilinskaja gleich bei unserer Wohnung ist kaum wiederzuerkennen. Mit Farbe wurde nicht gespart. Ob diese Verschönerungen immer nachhaltig sind, wird von Nischegerodern bezweifelt, weil die Untergründe nicht saniert wurden. Wir sahen an den letzten Tagen oft zwei oder drei Leute an Mauern oder Pfosten dick Farbe auftragen, grundiert wurde nicht. Aber dennoch freuen sich alle über das schönere Straßenbild. Erwähnt seien auch die erneuerten Straßenbeläge – zumindest auf den Hauptstraßen.
Ein Beispiel für die Verschönerung der Häuser zeigen zwei Fotos eines Hauses auf der Swesdinka Uliza, direkt vor dem Eingang der katholischen Kirche. Von den bröckelnden Fassaden des Hauses ist nichts mehr zu sehen.


Haus bei der katholischen Kirche an der Uliza Lestwinka, Foto vom 24. März 2017.


…. und am 3. Juni 2018

Kaum zu glauben ist die Veränderung der näheren Umgebung des Stadions. Hier war vor kurzem noch eine Wohngegend mit hässlichen Plattenbauten, großen ungepflegten Parkplätzen und schlechten Straßen. Heute sind da Grünanlagen, bunt gestrichene Häuser und sechsspurige moderne Straßen.


Frisch gestrichene Häuser gegenüber dem Stadion


Sechsspurige Straße zum Stadion (Uliza Betankura)

Das „Fifa-Fan-Fest“ findet auf dem Minin-Platz statt, der weiträumig abgesperrt ist. Dort wird eine große Leinwand für das Public Viewing aufgebaut. Das Gymnasium Nr. 1 und das Tschkalow-Denkmal, immerhin ein wichtiger touristischer Aussichtspunkt, sind zurzeit nur über einen Umweg zu erreichen. Darüber hinaus soll während der WM die Kanawinski-Brücke für den Autoverkehr gesperrt werden. Die Fanmeile soll dann vom Minin-Platz bis zum Stadion reichen. Bemerkenswert ist auch: Wir sahen häufig Polizeistreifen, meistens zwei Männer und eine Frau, die in ihren schwarzen Uniformen langsam durch die Straßen schlendern. Sicherheit wird großgeschrieben.


Eingang zum FIFA FAN FEST am Minin-Platz, rechts das Gymnasium Nr. 1,

Plakate an Laternenpfählen und Hauswänden und Bildständer sieht man viele. Beim Moskauer Bahnhof ein großes Plakat mit den Daten der sechs Spiele in Nischni Nowgorod.


Vier Gruppenspiele, je ein Achtel- und ein Viertelfinale in Nischni Nowgorod

Die Stadt erwartet die Besucher und selbst wenn hier und da noch gearbeitet wird: es gibt keinen Zweifel, dass die WM ein Fest wird. Im Notfall hilft die russische Fähigkeit zum Improvisieren. Es warten natürlich auch die Geschäftsleute und die Geschäftemacher. Davon haben wir einiges selbst erlebt. Bei der Suche nach einer Ferienwohnung sagte uns ein Vermieter, er erhöhe seine Preise ab Beginn der WM auf das Zehnfache. (Unsere Wohnung ist davon nicht betroffen. Wie immer auf der Welt gibt es auch Menschen, die solche Sachen nicht mitmachen). Wir hörten von Mieten in Wohnungen nahe beim Stadion von 500 USD pro Tag. Die Hotels seien schon lange ausgebucht, trotz der irren Preise. Und wie immer bei solchen Großereignissen wird von Korruption und Lohnbetrug gesprochen.
Aber wenn wir sehen, wie die Stadt schöner geworden ist, wie viele auch dauerhafte Verbesserungen es gibt (nicht nur äußere an Fassaden), dann kann man sagen: die WM hat sich schon gelohnt, bevor sie begonnen hat. Und das ist den Menschen hier aus vollem Herzen zu gönnen. Der Dortmunder OB Ulrich Sierau schreibt in einem offenen Brief an die Fußballfreunde und die WM-Touristen „Fußball kann Brücken bauen, Vorurteile abbauen und Menschen friedlich und fröhlich zusammenführen. Und genau das wünsche ich mir auch für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland.“ (www.deutsch-russische-begegnung.de)

Ein Russionär zwei Tage in Wladimir

Wer bei den „Russisch-Deutschen Wochen“ in Erlangen, die im Februar 2018 anlässlich des 35jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit Wladimir begangen wurden, in einem Quiz über russische Geschichte und über eben diese Partnerschaft den Titel „Russionär 2018“ und damit eine Reise nach Wladimir gewonnen hat, der ist natürlich vor Glück überwältigt; auch wenn er schon oft in Wladimir war, nein, gerade weil er schon oft dort war und weiß, was ihn erwartet: Das gastfreundliche Erlangen-Haus mit dem immer besonderen Frühstück, die alte Stadt mit ihren Kirchen und die Ausflüge in die geschichtsträchtige Umgebung. Wir waren Ende Mai dort und haben die zwei Tage genossen.
Ein guter Tipp kam von Irina Chasowa, der Leiterin des Erlangen-Hauses. Sie hatte uns geraten, erst am späten Nachmittag nach Bogoljubowo zu fahren, wenn die Busse die Touristen wieder eingesammelt haben. Dann hätten wir den Weg zu der kleinen Kirche „Mariä-Schutz-und-Fürbitte an der Nerl“ (Церковь Покрова на Нерли) fast für uns. So war es dann auch.
Mit dem öffentlichen Bus fährt man vom Erlangen-Haus in einer guten halben Stunde zur Endhaltestelle beim Kloster Bogoljubowow (22 Rubel, derzeitiger Kurs: 1 € = 72 Rubel). Eine kleine Strecke zu Fuß an der stark befahrenen Straße „M7 Wolga“ (Moskau – Nischni Nowgorod – Ufa) entlang bis zu einem „dramatischen“ Bahnübergang, viele Treppenstufen hoch und wieder runter, durch eine Reihe von Pappeln und schon sieht man in der Ferne das 1165 erbaute Juwel der altrussischen Kirchenbaukunst: die kleine weiße Kirche leuchtend vor dunkelgrünen Bäumen. Es beginnt ein schmaler Weg durch die Wiesen, der einem in zwanzig Minuten zum Ziel bringt. Ein Weg, der den Namen Pilgerpfad verdient hätte. Das flache Land, die grüne Wiese, sie strahlen eine Ruhe aus, die einem einfängt und besinnlich werden lässt. Hier kommt die Seele zur Ruhe. Und was uns an diesem Tag besonders auffiel: Die klare Luft und das heitere Licht der Abendsonne! Ein tiefgehendes Erlebnis. Wir bedauern, dass wir dies weder mit unseren Worten – dazu wären ein Goethe oder ein Puschkin nötig – noch mit unseren Fotos wiedergeben können.

 



„Mariä-Schutz-und-Fürbitte Kirche an der Nerl“ (Церковь Покрова на Нерли). Der Weg ist das Ziel. Zumindest ein wichtiger Teil davon

Der Innenraum der Kirche ist klein, er wird durch den Ikonostas geteilt, eine größere Reisegruppe führt schon zu Gedränge. Faszinierend der Blick hoch in die Kuppel, die von vier Säulen getragen wird. Die Wände sind weiß belassen, die ursprüngliche Ausmalung wurde im 19. Jh. entfernt. Die Kirche gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Das schmale hohe Kirchlein steht auf einem kleinen Hügel in der Nähe der Mündung der Nerl in die Kljasma, die Wiesen um sie herum sind Überschwemmungsland. Wir gingen abends an der Nerl entlang zum Zusammenfluss, ein schmaler Fußpfad durch Gras und dank der frühen Jahreszeit und des kühlen Windes (fast) ohne Mücken.

                                                          

Der Rest der letzten Überschwemmung

Natürlich waren wir auch in Wladimir wieder von den vielen Kirchen, dem Goldenen Tor und besonders von der neuen Fußgängerzone beeindruckt. An diesem Tag war alles in klares Licht getaucht – unvergessliche Bilder. Sehr empfehlenswert das Restaurant „Wosnesenskaja Sloboda“, das eine weite Aussicht über die Kljasma-Ebene bietet und dessen köstliche Hechtklöße im Krautmantel man unbedingt probieren sollte.

Den zweiten Tag verbrachten wir in Susdal (mit Taxi, eine Fahrt 600 Rubel). Es herrschte das für Unternehmungen wie diese besonders geeignete Wetter: Sonne, kühler Wind, glasklare Luft, was uns und unsere Freundin Anke zu Begeisterungsrufen animierte. Anke arbeitet in Perm im Ural als Deutschlehrerin und findet die Stadt mit der vielen Industrie nicht besonders reizvoll.

Im Erlöser-Euthymios-Kloster hörten und sahen wir das 12 Uhr Glockenspiel. Der Glöckner leistet dabei Schwerarbeit, er muss jede Glocke einzeln anschlagen. Dazu bewegt er die Glockenklöppel über Seile mit Händen und Füßen.

 
Eine ungewöhnlich große Birke wächst zwischen Mauern im Erlöser-Euthymios-Kloster.

Die Eisenkunst erinnerte uns daran, dass es von 1764 bis in die 50er Jahre Gefängnis für politische und religiöse Abweichler war, in der Stalinzeit Teil des Gulag-Systems.


Sankt Elias-Kirche


Maria-Geburts-Kathedrale im Kreml, von der St. Elias Kirche gesehen.

Wir saßen lange auf dem Hügel bei der St. Elias Kirche, vor uns die Kamenka, der kleine Fluss, der sich mäandernd durch die Landschaft schlängelt, dahinter der Kreml mit den blauen Türmen der Mariä-Geburts-Kathedrale. Kirchen, Klöster, Kreml: sie sind Zeugen der vergangenen Macht des Fürstentums Wladimir – Susdal. Zeugen, die uns heute bezaubern.

 

Vier Tage in Moskau

Nach der wie immer einfachen Einreise nach Russland am Flughafen Scheremetewo – keine Fragebögen, keine Fingerabdrücke, nach einer langen Busfahrt zur Metrostation Flussbahnhof und von dort mit der Metro zum Theaterplatz, standen wir fast auf den Tag genau nach neun Monaten wieder vor dem Bolschoi-Theater: wir waren angekommen!


Bolschoi Theater

Der Rote Platz zeigte uns dann das schon bekannte Bild: Immer wird irgendetwas aufgebaut, diesmal eine große Bühne vor der Basilius-Kathedrale (Public Viewing für die WM?) und wie immer wimmelte es von Menschen, darunter auffallend viele aus China, gefühlt mehr als in den Jahren davor. Liegt das daran, dass sich westliche Touristen mit Reisen


Der Rote Platz, hinten das Kaufhaus GUM, links das Historische Museum

nach Russland zurückhalten? Das wäre eine beunruhigende Entwicklung. Warum lässt Europa sein großes Nachbarland links liegen und zwingt es gleichsam, sich China verstärkt zuzuwenden? In unserem Hotel Budapest fanden wir den Hotelführer jetzt auch in Chinesisch außer in Russisch und Englisch.

Einen erfreulicheren Eindruck bekamen wir bei einem Spaziergang auf dem Boulevard-Ring. Dort war bei der Metrostation Tschistye Prudy an Plakatständern eine Ausstellung der AHK zu sehen, der Außenhandelskammer der deutschen Industrie. Die Arbeit von etwa 20 deutschen Unternehmen in Russland, großer und kleiner, und ihr Beitrag zur russischen Wirtschaft wurden vorgestellt.

Vertreten waren unter anderem Siemens mit dem Hochgeschwindigkeitszug Sapsan (deutsch: Wanderfalke), VW, Schäffler, Knauf, Continental, Bezgraniz (ein Mode-Label für Behinderte) und der deutsche Landwirt Stefan Dürr, der mit 100 000 Kühen der größte Produzent von Rohmilch in Russland ist und der, wie besonders vermerkt wurde, seit ein paar Jahren die russische Staatsangehörigkeit hat.

Und was noch erfreulicher war: die anschaulichen Plakate wurden von vielen Menschen betrachtet. Ein Zeichen für das breite Interesse an Deutschland und hier speziell an seiner Industrie. Auf dem Boulevard-Ring waren an diesem Sonntag bei dem strahlenden Sonnenschein Scharen von Spaziergängern unterwegs.


Siemens: Wartung des Sapsan in der Fabrik bei St. Petersburg

Ganz anders war es bei dem im Oktober 2017 von Putin und dem Patriarchen Kyrill I. eröffneten Gulag-Denkmal, der „Mauer der Trauer“, einer Gedenkstätte für die Opfer des Stalinismus. Diese liegt an der Kreuzung des Garten-Rings (einer Stadtautobahn) und dem Akademik-Sacharow-Prospekt (ebenfalls eine große Verkehrsstraße). Dort war ich bis auf zwei oder drei Leute, die das große Areal rasch durcheilten, allein. Ein junger Mann wunderte sich offensichtlich über mein Interesse an dieser Gedenkstätte und sagte ziemlich barsch: „Putin made that and our political system is not correct“. Ein Hinweis auf die Umstrittenheit dieses Denkmals. Von der Opposition wird kritisiert, dass man das Gedenken an die Opfer in den Vordergrund stellt und nicht über die Schuld der Täter spricht.


Das Gulag-Denkmal „Mauer der Trauer“ in Moskau,
rechts eine kleinere Mauer mit Gravuren: „Vergesst nie“

Diese Gedenkstätte ist ohne Zweifel ein eindrucksvolles Mahnmal, schon allein durch ihre Größe: die „Mauer der Trauer“ ist 30 Meter lang und 5,60 Meter hoch, aber auch durch ihre Gestaltung: bronzefarbene menschliche, in sich verschlungene Gestalten ohne Gesicht schweben himmelwärts, Symbol für die geschundenen und getöteten Millionen von Opfern. Das Kunstwerk heißt „Niemals wieder“. Putin habe bei der Eröffnung gesagt: „Für diese Verbrechen gibt es keine Rechtfertigung“. Die Witwe Solschenizyns, Autor des Romans „Archipel Gulag“, war bei der Zeremonie anwesend. (Wikipedia). Der Entwurf stammt von Georgi Franguljan.


Gulag-Denkmal

Auf dem schiefergrau gepflasterten Areal stehen einige Steinsäulen und eine Wand mit eingravierten Botschaften in verschiedenen Sprachen, wie sie von Häftlingen in Gefängnismauern geritzt worden sein könnten: „Vergesst nie, recuerda, remember, помни…“

Ein angenehmerer Ausflug in die russische Geschichte war der Besuch des Tolstoi-Museums oder besser der Tolstoi-Museen. Unser Navi hatte uns zunächst, wie von uns eingegeben, in das Tolstoi Museum geführt, in dem sich das Archiv mit den Manuskripten Tolstois befindet, was wir erst nach Bezahlen des Eintritts (des teuren Tarifs für Ausländer) bemerkten und was der Computer nicht rückgängig machen konnte. Wir wollten eigentlich ins Tolstoi-Haus. Die betrübte Kassiererin wusste Rat: wir sollten die kleine Ausstellung besuchen und dann an einem Ball aus der Zeit Tolstois teilnehmen, einer Abschiedsfeier von zehnjährigen Schülern einer Moskauer Grundschule. Das war ein unerwartetes, eher landeskundliches als künstlerisches Ereignis. Die Lehrerinnen und die Profis des Museums traten in historischen Kleidern auf. Die ebenfalls wohl geschmückten Kinder versuchten sich mit Tänzen, mit Polonaisen, mit Klavier- und Gitarrenstücken, manche mit Können und Vergnügen, andere mit Stolpern und verzweifelten Gesichtern.


Aufstellung zur Polonaise

Am nächsten Tag schafften wir es dann tatsächlich in das Tolstoi-Haus, in die Stadtvilla von Tolstoi in der Tolstoi Straße. Überraschenderweise kannten diese aber vor allem jüngere Moskauer nicht, die wir nach dem Weg fragten. Tolstoi (1828 – 1910), der große russische Schriftsteller, hatte hier ein stattliches Anwesen mit seinem Wohnhaus, einigen Nebengebäuden und einem großen Park – eine Idylle mitten in Moskau. Bemerkenswert ist, dass Lenin dies alles schon 1921, dem Wunsch von Tolstois Witwe entsprechend, zum Museum erklärte. So ist es im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben, bis auf die nachträglich eingebaute Elektroinstallation. Interessant auch: Edison, der amerikanische Erfinder vieler elektrischer Geräte, schenkte Tolstoi 1908 zu dessen 80. Geburtstag eine eigens für ihn hergestellte Schallplatte, die Tolstoi selbst besprochen hatte und die im Museum zu hören ist. Die Museumsführerin sagte stolz: „Die Stimme des Zaren Nikolaus II. ist nicht erhalten geblieben, die des Dichters Tolstoi dagegen wohl.“ Die Kultur überdauert die Macht – kein unsympathischer Gedanke!

Und schließlich war da auch noch Tolstois Fahrrad zu sehen, das mit einer Stempelbremse und mit Luftreifen ausgestattet ist. Selbst das am Sattel befestigte Werkzeugtäschchen fehlt nicht. (Als Einwohner der Fahrradfahrerstadt Erlangen sei mir der Hinweis auf dieses eher unbedeutende Detail aus dem Lebens eines großen Schriftstellers gestattet.)

Tolstois Fahrrad mit Luftreifen und Stempelbremse

Ein anderes kulturelles Ereignis war die Aufführung von Tschaikowskis „Pique Dame“ in der Helikon Oper, die uns mit den hervorragenden Stimmen der Sängerinnen und Sänger, dem großartigen Orchester und der ungewöhnlichen Regie wieder höchstes Vergnügen bereitete. Das Bühnenbild russisch prall, vorn an der Bühne stand in allen Szenen ein Spieltisch, dahinter saß dichtgedrängt das Orchester und darüber eine Empore, auf der sich oft der ebenfalls ausgezeichnete Chor aufhielt. Dieses kleine Opernhaus hat einen steil ansteigenden Zuschauerraum, dadurch sieht man von allen Plätzen gut über die Köpfe der vor einem Sitzenden hinweg. Die Atmosphäre ist intimer als im sehr viel größeren Bolschoi Theater.

Drei Wochen vor der Fußball-WM 2018 hatten wir in der Stadt viel Reklame erwartet. Wir haben nicht allzu viel gesehen. Im Flughafen Scheremetewo Begrüßungsplakate, davor ragten an einer Hauswand drei überlebensgroße fußballspielende Figuren waagerecht in die Straße. Dieses sehr ungewöhnliche Arrangement konnten wir leider nicht fotografieren, weil unser Bus zu schnell vorbei rauschte. In einem von zehn Metrozügen sahen wir WM-Reklame, auf den Straßen gelegentlich Plakate. Auf dem Manege- Platz in der Nähe des Kreml war ein Parcours, der an den Stadtsymbolen der Austragungsorte vorbeiführte. Nischni Nowgorod war mit deм Demetrios Turm seines Kreml vertreten. Dies war eine großflächige Installation, die aber keinesfalls dominierte. Die vielfältige Weltstadt Moskau integriert auch so ein Großereignis wie eine WM locker.

Der Nischegoroder Demetrios Turm steht für einen Austragungsort der WM


WM Werbung auf dem Manege-Platz

Wir sind dieses Mal oft auf Nebenstraßen fernab vom Autoverkehr gelaufen. Hier lässt es sich gemütlich schlendern. Zumindest innerhalb des Gartenringes erfreuen uns die vielen alten Häuser immer wieder, auch die häufigen Parks und kleinen Grünflächen. Der Flieder und die Tulpen sind jetzt Ende Mai gerade am Verblühen, Bäume und Sträucher zeigen ihr frisches Grün. Das Wetter war ideal für Stadtbesichtigungen, sonnig und ein kühler Wind. Wir haben Moskau wieder sehr genossen.

Ulitza Ulanski – eine Parallelstraße zum Sacharow Prospekt

Rollerverleih auf der Ulitza Roschdeswenska

An verschiedenen Stellen der Stadt werden neuerdings Leihroller angeboten. Der Versuch von Rose und ihrer Freundin Anke, welche auszuleihen, scheiterte, weil sie einen Tag vorher hätten reservieren müssen. So blieb es bei Fahrrädern (150 Rubel pro Tag). Mit großer Freude fuhren sie fast den ganzen Boulevard Ring ab, den sie sich an diesem sonnigen Sonntag mit vielen Fußgängern teilen mussten.

Auf der Großen Moskwa-Brücke stehen an der Stelle, wo Nemzow am 27. Februar 2015 ermordet wurde, noch immer frische Blumen, elf Sträuße, Fotos und kleine Plakate und ein Schild mit der täglich erneuerten Zahl der seit dem Mord vergangenen Tage: 1183 waren es am 24. Mai dieses Jahres. Noch immer bewachen Mitglieder der Bürgerinitiative diesen Ort. Sie wollen ausharren bis die Brücke in „Nemzow-Brücke“ umbenannt ist.

Auf der Großen Moskwa-Brücke, 1183 Tage nach der Ermordung von Nemzow.
Dahinter eingerüstete Kremltürme, Baubuden bis zur Basilius Kathedrale

Noch einige Fotos:


Kirche (1645) aus Archangelsk im Freilichtmuseum in Kolomenskoje

Im neu eröffneten Zariadje Park: Freilichtbühne, Liegewiese, Kreml


Die Türme der Basilius-Kathedrale spitzen über Grashügel im Zariadje Park

Manege-Platz

WM Werbung auf dem Zwetnoi Boulevard

Tournee russischer Schüler: „Kommt wieder, aber ohne Waffen“

 

Wir waren uns sicher: die 18 russischen Schüler des Gymnasiums Nr. 1 aus Nischni Nowgorod würden ihr Theaterstück „Kommt wieder, aber ohne Waffen“ auch in Deutschland gekonnt aufführen. Jetzt am Ende der Tournee durch Süddeutschland hat es sich bestätigt: sieben Vorstellungen in acht Tagen wurden mit Bravour dargeboten.

Wir waren uns dessen sicher, weil wir die Schüler kannten und die Aufführungen in Wladimir und vier weitere in Nischni Nowgorod gesehen hatten. Allerdings wussten wir nicht, wie das Stück beim deutschen Publikum ankommen würde. Wir sind erleichtert, jetzt sagen zu können: alle Aufführungen haben einen tiefen Eindruck hinterlassen.

 Schulvorstellung in der Waldorfschule Erlangen

Besonders bemerkenswert die Reaktionen der jungen Generation bei den drei Schulaufführungen. Die Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule in Erlangen, des Bildungszentrums Markdorf und des Zeppelin-Gymnasiums in Friedrichshafen lauschten atemlos und sichtlich beeindruckt bis zum Schluss den Darbietungen der gleichaltrigen russischen Darsteller. Viele verließen mit betroffenen Gesichtern den Saal, manche mit Tränen in den Augen.  Eine Lehrerin sagte, sie habe noch keine Schultheatervorstellung erlebt, in der die Schüler so ruhig und konzentriert zuhörten wie dieses Mal.

Langer Schlussapplaus der Oberstufenschüler im Bildungszentrum Markdorf.

Die Vorstellung in Friedrichshafen fiel auf die letzten zwei Schulstunden vor den Herbstferien. Das schienen schlechte Bedingungen zu sein. Würden die Schüler bis zuletzt aushalten? Wer erinnert sich nicht an seine Schulzeit und daran, mit welcher Ungeduld man das Klingeln vor den Ferien erwartete und wie wenig man sich in der letzten Stunde für den Lehrstoff interessierte.

Beifall im Zeppelin-Gymnasium Friedrichshafen – über den Ferienbeginn hinaus

Die Schulleitung hatte darum gebeten, pünktlich Schluss zu machen, weil ein Teil der Schüler die Schulbusse erreichen müsse. Jedoch herrschte in dem vollbesetzten Saal bis zum Schluss aufmerksame Ruhe, keiner verließ vorzeitig den Raum. Die Schulglocke hatte längst geläutet, der Beifall nahm kein Ende, vor allem als Wolfgang Morell, der mitgereiste Zeitzeuge, auf die Bühne ging. Nachdem die Fahrschüler dann doch zu ihren Bussen gegangen waren, blieben noch viele Zuschauer im Saal, um mit den Schauspielern und dem Zeitzeugen zu diskutieren, viel länger als geplant.

Das überwiegend ältere Publikum der vier öffentlichen Aufführungen beim Kolpingverein im Gemeindezentrum St. Xystus in Erlangen, im Immanuel-Kant-Gymnasium in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart, in der Waldorfschule in Überlingen und im Rathaussaal in Immenstaad reagierte ebenfalls immer mit langem Beifall. Auch hier waren alle Vorstellungen sehr gut besucht, auch hier beeindruckten die schauspielerischen Leistungen. Bemerkenswert ist, dass die Vorstellungen trotz mancher technischer Unzulänglichkeiten gut aufgenommen wurden, so, wenn die eingeblendeten Übertitel mit den Übersetzungen der russischen Texte nicht lesbar waren, weil der Beamer nicht funktionierte. Oder auch wenn die russischen Schüler, die die deutschen Kriegsgefangenen darstellten und deshalb deutsch sprachen, manchmal wegen des russischen Akzents nur schwer zu verstehen waren.

Hier im Immanuel-Kant-Gymnasium in Leinfelden funktioniert der Beamer.

Bewundernswert die Leistungen der Regisseurin Marina Kotschkina. Rasch stellte sie sich auf die unterschiedlichen Räume, die Größe und Ausstattung der Bühnen ein. Die Zeit für die Vorbereitungen oder die Durchlaufprobe war oft sehr kurz. Bei einer Vorstellung musste Marina wegen Erkrankung einer Schülerin spontan mehrere Rollen umbesetzen.

Hohe Anerkennung verdienen die schauspielenden Schülerinnen und Schüler aus Nischni Nowgorod. Sie sind ja keine gelernten Schauspieler. Sieben Vorstellungen in acht Tagen, und alle spielten konzentriert und präsent bis zum letzten Wort. Vor allem die deutschen Lehrer bewunderten die jungen Russen, die ihre Texte eineinhalb Stunden lang in Deutsch, in einer für sie fremden Sprache, vortrugen – und das ohne Stocken. Eine Souffleuse gab es nicht.

Der jüngste Schauspieler, der achtjährige Maxim.

Erstaunlich auch ihre Improvisationsfähigkeit. Sie waren verständlicherweise nach der Reise, den Vorstellungen und den neuen Eindrücken müde, manche sehr müde. Einmal war der Ballettmeister hinter der Bühne eingeschlafen und verpasste seinen Auftritt. Die auf der Bühne wartenden Lemuren bei der Probe für „Faust“ stockten nur kurz, dann übernahm einer von ihnen die Tanzanweisungen. Das Publikum bemerkte nicht, dass hier etwas schiefgegangen war.

Der russische und der deutsche Offizier sind müde – vor der Vorstellung

Präsent auf der Bühne, der deutsche Offizier bei der Instruktion der Soldaten vor dem Marschbefehl an die Ostfront

Nach der Aufführung des Stückes im bis auf den letzten Platz gefüllten Pfarrzentrum St. Xystus fragte eine Zuschauerin, ob die Darstellung des Schicksals deutscher Kriegsgefangener in sowjetischen Lagern nicht doch ein wenig geschönt sei. Sie habe da anderes gehört. Viel mehr Schreckliches. Eine Frage, die so oder ähnlich oft gestellt wurde. Was soll man darauf antworten: Natürlich gab es auch die schlimmen Zustände, Entbehrung, Leid, Hunger und Tod. Im Stück selbst wird ja offen ausgesprochen, dass ein Drittel der Deutschen (über eine Million) die russische Kriegsgefangenschaft nicht überlebte, dass Schwerstarbeit zu leisten war und Hunger und Not herrschten, dass diese Zeit für viele Deutsche ein Trauma blieb. Ich fand es von Anfang an bemerkenswert, dass Marina Kotschkina, die Autorin dieses Stückes, die Schrecken und Leiden der Deutschen in den sowjetischen Lagern nicht ausgeblendet hat.

Aber es gab eben auch die andere Seite: das heimlich zugesteckte Brot, die verständnisvolle Geste, sogar Respekt, Zuneigung und Liebe, durch die viele den Lebensmut wiederfanden. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die etwa fünfzig Berichte der ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen in dem Buch „Komm wieder, aber ohne Waffen“, die dem Theaterstück zugrunde liegen.

Der Kriegsveteran Wolfgang Morell, der zusammen mit seinem Freund Claus Fritzsche die Vorlage war für den Helden Alex, begleitete die gesamte Tournee. Nach den Vorstellungen bestieg der 95jährige Zeitzeuge mühsam die Bühnen und stellte sich dann mit bewundernswerter geistiger Frische den Fragen. Er bestätigte die Berichte über die schlechten Lebensbedingungen in den Lagern, über die vielen Toten durch Hunger und Seuchen. Aber das galt nicht nur für die deutschen Gefangenen. Die russische Bevölkerung hungerte auch. Das Wachpersonal, die Ärzte und Krankenschwestern in den Lagern waren in ähnlichem Maße von Seuchen und Tod betroffen wie die Gefangenen. Er konnte keine bewusste Politik zur Vernichtung der Gefangenen feststellen, wie sie beschämenderweise im Dritten Reich gegenüber den russischen Gefangenen geübt wurde, von denen zwei Drittel (3,6 Millionen) als Folge des von Hitler ausgerufenen „Vernichtungskrieges gegen die russischen Untermenschen“ ums Leben kamen.

Im Theaterstück: 1949, Schanna und Sascha, dessen Rolle aus den Personen Wolfgang Morell und Claus Fritzsche zusammengesetzt wurde

Im Stück ist der Beginn der Beziehung Wolfgang Morells zu der russischen Frau, Schanna Worontzowa, die zwei Jahre dauerte, nur kurz dargestellt. Schüler fragten, wie diese berührende Geschichte weiterging. Während des Kalten Krieges wäre der Kontakt zu einem Westdeutschen für eine Russin gefährlich gewesen, deshalb unterblieb er.

2017: Schanna und Wolfgang Morell im wirklichen Leben

Anlässlich der Vorstellung der russischen Ausgabe des Buches „Komm wieder, aber ohne Waffen“ in Wladimir und der Aufführung des Theaterstückes reiste Morell nach Nischni Nowgorod. Dort traf er nach 68 Jahren Schanna wieder – ein Ereignis, das vom russischen Fernsehen mit einem Film am Schluss der Abendnachrichten gewürdigt wurde.

Zu der Aufführung in Erlangen war ein weiterer Zeitzeuge angereist: Alfons Rujner, mit fast 90 Jahren aus Berlin kommend, erkennt sein Schicksal wieder, nicht nur in dem alten Mütterchen, das ihn kurz vor dem Heimtransport in Wladimir am Ärmel zupfte und ihm zurief: „Komm wieder, aber ohne Waffen!“, sondern auch in der Indoktrinierung durch die Nazis mit ihren Zerrbildern von Sowjets, die Hörner trugen und als rote Teufel gezeichnet wurden, sowie in der Umerziehung, die er als damals siebzehnjähriger Jüngling als Befreiung vom ideologischen Ballast der Faschisten empfand.

Alfons Rujner, Wolfgang Morell, Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik

Und so kam denn Alfons Rujner als Antifaschist aus dem Lager zurück und kann sagen: „Bis heute bin ich ein solcher geblieben, und ich möchte nie mehr sehen, wie Nazis durch das Brandenburger Tor marschieren!“ Florian Janik dankt er für dessen Engagement für die Völkerverständigung und Partnerschaft mit den Worten: „Hätte ich die Macht dazu, ich würde Dich, lieber Florian, zum Oberhaupt einer Friedensstadt ernennen!“ Erlangen als Friedensstadt. Welch eine Auszeichnung aus dem Mund eines Kriegsveteranen!

Keine Tournee ohne kleine Katastrophen. Eine ereignete sich gleich zu Beginn: Weil die Sicherheitskontrolle am Flughafen in Frankfurt sehr lange dauerte, verpassten einige den Flug nach Nürnberg. Hier entstiegen dem Flieger statt der von uns erwarteten zwanzig nur neun Gäste. Der ohnehin ausreichende Bus musste mit vielen leeren Sitzen in das Hotel Rangau in Dechsendorf fahren, das geplante Begrüßungsessen genossen nur die wenigen schon Eingetroffenen. Die in Frankfurt Zurückgebliebenen hatten zumindest das Glück, im nächsten Flugzeug Plätze zu bekommen. Wir, die Abholenden, hatten das Glück, dass Peter Steger mit dem Kleinbus des Jugendringes beim Transport aushelfen konnte. Gegen Mitternacht waren dann alle im Hotel.

Eine andere kleine Katastrophe hätte sich zumindest für den Betroffenen leicht zu einer größeren ausweiten können. Ein Schüler ließ im Intercity nach München seinen Rucksack mit Pass und Visum liegen. Gott sei Dank bemerkte er es beim Umsteigen in Nürnberg sofort. Der Zugbegleiter im ICE konnte rasch erreicht werden, dieser fand den Rucksack am angegebenen Platz und versprach, ihn in München auf die Fundstelle zu bringen. Von den hilfsbereiten Mitarbeitern wurde er gesichert und dort vom Kurierdienst „Time:Matters“ abgeholt. Nach einiger Telefoniererei konnten wir ihn am nächsten Tag wohlbehalten am Bahnhof in Lindau in Empfang nehmen. Hier haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bundesbahn und des Time:Matters-Teams ein Lob verdient!

Keine Tournee ohne Nebenprogramm: Die russischen Schüler waren sehr angetan von den Stadtführungen durch deutsche russischsprechende Schüler in Erlangen vom Verein Brücken e. V., in Überlingen von der Waldorfschule und in Konstanz von einer offiziellen Stadtführerin. In Leinfelden-Echterdingen war es ein Nachmittag mit den Gastfamilien, in Friedrichshafen ein Besuch des Zeppelin-Museums. Erstaunen erregte in Konstanz ein kurzer Grenzübertritt in die Schweiz, der ohne Passkontrolle einfach so möglich war. Sehr überraschend für die jungen Russen.

Fotostop kurz vor dem Abstecher in die Schweiz

Und schließlich: Keine Tournee ohne die Hilfsbereitschaft so vieler Hände! Die liebevolle Betreuung durch den Kolpingverein in St. Xystus in Erlangen-Büchenbach und den Brücken e.V., die Übernachtungen in den Gastfamilien in Leinfelden-Echterdingen und schließlich die Unterbringung der ganzen Gruppe in den Ferienwohnungen des Obsthofes Lehle in Immenstaad, die die Schüler zu Begeisterungsrufen animierte.

Obsthof Lehle in Immenstaad

Das dortige Katholische Bildungswerk, geleitet von Frau Monika Bauer und das Team um Hubert und Carmen Lehle, Konrad und Monika Veeser, Udo und Hanne Kampmann haben entscheidend zum Wohlbefinden aller Gäste beigetragen. Die Schulleitungen, die die Räume zur Verfügung stellten, die Techniker, die sich rasch und flexibel auf unsere Wünsche einstellten, allen voran Fjodor Nevelski, der mit seiner professionellen Ausrüstung in Erlangen beide Vorstellungen bediente, die Lehrer, die ihre Schüler zum Besuch der Vorstellungen anregten und nicht zu vergessen, das Küchenpersonal und die manchmal geplagten Hausmeister („Mir ist gesagt worden, ich soll nur den Saal aufschließen!“ Weit gefehlt, was musste nicht alles an Stühlen, Tischen, Kabeln und Körben herangeschafft werden). Dann die unerwartet vielen Spenden auf das Konto des Bildungswerkes und in die Körbe an den Ausgängen, die Spenden von Sponsoren wie das Katholische Bildungswerk, der Stiftung West-Östliche Begegnungen, der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke. Zum Abschluss der Tournee konnte das Stück dank des Immenstaader Bürgermeisters, Jürgen Beisswenger, im repräsentativen Saal des Immenstaader Rathauses aufgeführt werden. Dankbar nahm die Gruppe auch Herrn Beisswengers Geschenke und seine Einladung zum Abschiedsessen in die Pizzeria Il Centro an.

Und doch: Roses Idee, aus Peter Stegers Buch mit ihren Schülern und Marina Kotschkina ein Theaterstück zu machen, hätte im Mai 2017 mit einigen Aufführungen in Russland geendet, wenn der Erlanger Oberbürgermeister im April bei der Präsentation der russischen Ausgabe des Buches „Komm wieder, aber ohne Waffen“ nicht so beeindruckt gewesen wäre von den zwei Szenen, die von der extra aus Nischni Nowgorod angereisten Schülergruppe aufgeführt wurden. Spontan lud er alle nach Erlangen ein. Ihm sei dafür besonders gedankt und Peter Steger für die vielen Vorbereitungen, für Rat und Tat bei der Planung und Durchführung der Reise und natürlich für die geniale Idee, das Buch zu schreiben.

Materialien zu dem Stück:

Literaturliste

  • „Komm wieder, aber ohne Waffen“, Peter Steger,2015, Stadt Erlangen/ Stadtarchiv Erlangen. ISBN: 978-3-944452-09-8. Erhältlich beim Stadtarchiv Erlangen,
  • „Возвращайся, но без оружия“, Peter Steger, auf Anfrage digital erhältlich bei Rose Ebding: roseebding@gmail.com
  • Programmheft, Rose Ebding, auf Anfrage digital erhältlich bei Rose Ebding
  • „Mit 17 Jahren hinter Stacheldraht“, Alfons Rujner, 2001, Alfons Rujner ISBN:3-8311-2584-8
  • „Das Ziel – Überleben“, Claus Fritzsche, 2000, VDM Heinz Nickel ISBN: 3-925 480-44-7
  • „Rose für Tamara“, Fritz Wittmann, 2001, Taschenbuch

Im Internet abrufbar:

  • Text des Theaterstückes: „Kommt wieder, aber ohne Waffen“,

o   https://drive.google.com/file/d/0B__G9GV0N3MdOGc3V0JQZ2ZOSVU/view

  • Trailer: „Kommt wieder, aber ohne Waffen“,

o   https://www.youtube.com/watch?v=QI8aM7RMDUw&feature=youtu.be

  • текст: „Возващайтесь, но только без оружия“,

o   https://drive.google.com/file/d/0B__G9GV0N3MdRnd5Yjhqbm5KR2s/view

  • трейлер: „Возващайтесь, но только без оружия“,

o   https://www.youtube.com/watch?v=fCnu0H4xMmg 

  • Film von NTV über die Begegnung von Wolfgang Morell und Schanna Worontzowa im April 2017 (auf Russisch)

„Wolfgang Morell und Schanna Woronzowa“ Youtube

  • Weitere Informationen finden sich in den Blogs:

–      stuttgartnishnij.wordpress.com

–      erlangenwladimir.wordpress.com

In Kürze wird auch der Mitschnitt der Aufführung in der Waldorfschule Erlangen am 23.10.2017 von Herrn Werner Schramm vom Aischtaler Filmtheater e.V. erhältlich sein.

 

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