Von Stuttgart nach Nischni Nowgorod

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Eindrücke von einer Reise nach Georgien

Im Juni waren wir 14 Tage in Georgien. Zunächst eine Woche in Tbilisi (Tiflis, wie man es in Deutschland nennt). Von dort aus fuhren wir an zwei Tagen in die Umgebung, einmal mit einem Taxi nach Mtskheta, der ehemaligen Hauptstadt Georgiens, zu der Jvari Kreuzkirche aus dem 6. Jh. und nach Stalins Geburtsort Gori, ein anderes Mal mit einem Reiseunternehmen nach Signagi, einer erst im 17. Jahrhundert angelegten Stadt. In der zweiten Woche brachte uns eine Marschrutka in den Großen Kaukasus nach Stepantsminda (früher Kasbegi, wobei dieser Name heute noch gebräuchlich ist). Der Ort liegt zehn km von der russischen Grenze entfernt, nach Westen sind etwa 20 km bis Südossetien und nach Osten 80 km bis Tschetschenien. Von den so nahen politischen Spannungsgebieten haben wir direkt nichts bemerkt, allerdings sind die wirtschaftlichen Folgen hier besonders spürbar. In Kasbegi erkundeten wir wandernd oder durch Taxifahrten die abenteuerliche Umgebung. Zurück nach Tbilisi ging es wieder mit der Marschrutka.

Tbilisi, die am Fluss Mtkvari gelegene Hauptstadt von Georgien, beeindruckt durch die Zeugnisse seiner langen, wechselhaften Geschichte. Im 5. Jh. zum ersten Mal erwähnt, wurde es von den Persern, den Römern, den Arabern, den Seldschucken, den Türken und schließlich von den Russen beherrscht und geprägt. Bis 1991 war Tbilisi Hauptstadt der Grusinischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Die nach der Sowjetzeit wieder aufgebauten Kirchen aus der Frühzeit des Christentums, viele nach der Wende entstandene neue Kirchen, die alten Paläste und die klassizistischen Bauten

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Blick auf die Altstadt von Tblisi

aus dem 18. Jh. haben wir mit Vergnügen angesehen, was wir leider von vielen Bauten der letzten zwanzig Jahre nicht sagen können. Sie sind oft protzige und hässliche Ungetüme, die nicht in das Stadtbild passen. Leider verfallen viele der alten georgischen Wohnhäuser, die mit ihren Balkonen das Verständnis ihrer Bauherren für Harmonie erkennen lassen.

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Blick auf die Friedensbrücke und ein modernes Hochhaus

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Altes Wohnhaus – verfallende Pracht

Uns erschien Tiblisi als eine Stadt der Gegensätze, neben Reichtum viel Armut. Auf dem Rustaweli-Boulevard Paläste, Banken, exklusive Geschäfte der internationalen Modemarken und gleich daneben Zerfall und Armseligkeit. Viele Bettler sitzen oder liegen auf Bürgersteigen, vor Kirchen und vor dem Theater, auf den Treppen der Unterführungen – meist nur still die Hand oder einen Becher hinhaltend. Wir haben aber auch aggressive, meist junge Bettlerinnen erlebt, die sich uns fordernd in den Weg stellten. Die Arbeitslosigkeit ist erschreckend hoch. Wer ein Auto hat – und sei es noch so klapprig -, bietet Taxifahrten an. Uns wurde oft beim Spaziergehen aus vorbeifahrenden Autos „Taxi, Taxi“ zugerufen.  Die georgische Wirtschaft leidet unter den seit dem Krieg von 2008 abgebrochenen Beziehungen zu Russland. Ein Taxifahrer meinte, Georgien solle der GUS wieder beitreten. Viele Georgier ziehen ins Ausland, um der Not im eigenen Land zu entgehen, nach Russland oder nach Westeuropa. Eine junge Frau aus Aserbeidschan, die eine Rundreise durch Georgien machte, sagte: „Natürlich sind wir stolz darauf, wieder in einem freien Land zu leben, aber früher war es besser“. Das gilt auch für Georgien, leider.

Wir haben bemerkenswert oft kleine Busse oder LKWs mit Aufschriften deutscher mittelständischer Firmen gesehen: Möbel, Küchen, Elektro- und Sanitärinstallation, Metallbau. Der gepflegte Zustand ließ uns vermuten, dass es sich hierbei um Fahrzeuge georgischer Tochterfirmen handelt.  In der Nähe von unserem Hotel entdeckten wir die Konrad-Adenauer-Stiftung in einem repräsentativen schmucken Gebäude.

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Immer wieder sieht man deutsche Firmenwagen

Das Stalin-Museums in Gori ist in einem großen, aus dem 19. Jh. stammenden Ausstellungspalast untergebracht. Es ist heute noch im gleichen Zustand wie am Ende der Sowjetunion. In mehreren riesigen Räumen sind hunderte Dokumente, Fotos, Gemälde aus Stalins Leben ausgestellt. Stalins Schreibtisch, sein Sitzungszimmer aus dem Moskau Kreml, seine Tabakspfeife usw. Personenkult in reinster Form! Erfährt man dort alles über den Diktator? Alles eben nicht: die durch ihn verursachten Hungersnöte in den 30er Jahren, sein Terror mit Millionen Toten und Gefangenen in den Gulag, sein Versagen am Beginn des 2. Weltkrieges sind mit keinem Wort erwähnt. Eine kritische Aufarbeitung der Vergangenheit findet hier nicht statt. Unser Taxifahrer sah in Stalin einen starken Staatslenker, der wusste, was er will und dieses auch durchsetzte.

Das Gegenbild hierzu bietet das „Museum der sowjetischen Besetzung – von 1921 bis 1991“ auf dem Rustaweli-Boulevard in Tbilisi. In einem großen Raum des Staatlichen Simon-Dschanaschia-Museums wird mit Dokumenten und Fotos an die Unterdrückung Georgiens und die vielen Opfer erinnert. Mir war nicht bekannt, dass es auch in dieser Zeit immer wieder antisowjetische Unruhen gab. Ziel war die (oder eine größere) Unabhängigkeit Georgiens. Stalin selbst hat Georgien, das Land aus dem er stammte, eher vernachlässigt.

Trotz all diesem: wir haben die Tage in Tbilisi genossen. Einen großen Anteil daran haben die freundlichen Menschen, die sofort fragen, ob man Hilfe braucht, wenn man in den verwirrenden Gässchen suchend stehen bleibt. Selbst Kinder (zwei Jungen, 10 und 12 Jahre alt) haben uns in der ersten Nacht zu unserem Hotel geführt, als wir nicht mehr wussten, in welche Seitengasse wir einbiegen sollten. Die üppige Natur mit ihren Blüten und Blumen, die vielen großen Parks, in denen man in der Hitze unter Bäumen ausruhen kann, sie trugen zu unserem Wohlgefühl bei. Wir haben auch die berühmten Schwefelbäder im Viertel Abanotabani mit 48 Grad heißem Wasser und Hautpeeling ausprobiert.

Als sehr ungewöhnlich stellte sich eine Wohltätigkeitsveranstaltung in der Oper unter der Schutzherrschaft von Sophia Loren heraus. Motto: „La Strada“ nach dem Film von Federico Fellini (1954). Auf ein modernes Ballett folgte zur Musik von Nino Roti eine (!) Altistin mit glücklicherweise wohlklingender Stimme, sie sang 40 Minuten (vierzig!) lang klagend ihren Liebeskummer in ein Telefon. Dirigent war Carlo Ponti, Sohn von Sophia Loren. Unser Problem war auch, dass alle Informationen in Georgisch waren und wir ahnungslos in dieses Vergnügen geraten waren.

Die georgische Sprache blieb uns völlig unverständlich, ebenso die harmonische, ästhetische Schrift. Mit Russisch kann man sich gut verständigen, mit Englisch in Hotels und den größeren Restaurants ausreichend.

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Beispiel für die georgische Schrift

Sehr genossen haben abends das Essen im Restaurant Chela, das 400 m über der Stadt bei der Bergstation einer Standseilbahn liegt. Dort ist es immer einige Grade kühler als unten in den heißen, selbst abends noch schwülen Gassen. Wir waren dreimal dort, auch wegen der Aussicht auf die Stadt, in der mit Einbruch der Dämmerung nach und nach die Lichter angingen und die großen Gebäude hell angestrahlt wurden.

Erholung pur war die Woche in Kasbegi. Die Fahrt mit der Marschrutka (Kleinbus, die 155 km kosten 4,20 €) auf der alten Heerstraße war schon das erste Abenteuer. Wenn wir an einer Kirche vorbeifuhren, bekreuzigten sich die meisten Mitreisenden – sicher aus Frömmigkeit. Es hätte aber auch einen anderen Grund haben können: Der Busfahrer hatte nämlich einen sehr mutigen Fahrstil. Er überholte an Bergkuppen und vor Kurven rasant, obwohl er nur eine kurze Sicht auf die Straße vor sich hatte. Oft mussten wir die Luft anhalten und tief durchatmen! Auch standen immer wieder Kühe auf der Straße – am liebsten im Schatten unter Brücken, wo sie schlecht zu sehen waren und den Fahrer zu plötzlichen Brems- und Ausweichmanövern zwangen.

Von unserem „Rooms Hotel“ in Kasbegi hatten wir einen großartigen Blick auf den schneebedeckten 5033 Meter hohen Kasbek und die vor ihm auf 2100 Meter liegende Gergeti Dreifaltigkeitskirche. Die Besteigung des Kasbek dauert zwei bis drei Tage, wir haben uns mit einer dreistündigen Wanderung in Richtung Gipfel begnügt und dabei die jüngeren Wanderer bewundert, die schwer bepackt mit Zelten und Nahrung für mehrere Tage aufstiegen.

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Morgendlicher Blick auf den Kasbek. Der Ort Kasbegi liegt noch im Schatten der Berge. Die Regenwolken kamen erst im Laufe des Tages

 

Abenteuerlich stellten sich Taxifahrten in schwer zugängliche Täler und Dörfer heraus. Gela, ein arbeitsloser Architekt, fuhr uns auf meist steinigen Feldwegen zu unseren Zielen (z.B. für sechs Stunden 40 €), von denen aus wir liefen oder Sehenswürdigkeiten besichtigten. Eine dreistündige Wanderung in einem langen breiten Tal von dem Zehn-Häuser-Ort Juta aus Richtung Chaukhi See und die Einkehr in der Fifth Season Hütte (sie heißt wirklich so) waren eine Erholung für die vom holperigen Fahren strapazierten Knochen.

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Das Ziel: Die Fifth Season Hütte – sehr empfehlenswert

Eine andere Tour führte uns ins weitgehend verlassene Dorf Tsdo und zur russischen Grenze. Dort wurden nach der Wende ein neues Männer- und ein neues Frauenkloster gebaut. Auch bei einer Fahrt zur Grenze vor Südossetien passierten wir in völliger Abgeschiedenheit zwei neugegründete Klöster. Unser Ziel waren Ruinen eines Wehrdorfes in der Nähe einer Grenzstation im Truso Tal, wo wir von einem braun gebrannten georgischen Soldaten mit Kalaschnikow und Fünf-Tage-Bart empfangen wurden, freundlich lächelnd trotz des kriegerischen Aussehens – er war so wie man sich einen echten Kaukasier vorstellt.

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Frauenkloster im Truso Tal

Bemerkenswert ist die Landschaft. Manchmal breite ebene Hochtäler zwischen steilen Berghängen, die bis oben (ca. 2500 m) mit Gras bewachsen wenig blanken Fels sehen lassen. Überwältigend die Blumenfülle, viel Hahnenfuß, Vergissmeinnicht, tief blaue Glockenblumen. Es war eine grüne und bunte Pracht. Dazu kleine flache Flüsse und immer wieder Wasserfälle, die die Hänge herunter rauschen. Das Wasser soll von bester Qualität sein und oft viele Mineralien enthalten, zumindest den Schwefelanteil konnte man manchmal riechen. Bis zur Wende (oder bis zum Krieg 2008?) gab es dort Feldwirtschaft, jetzt werden von den wenigen verbliebenen Bauern noch Kühe und Schafe gehalten. Wir sind durch verlassene und verfallende Dörfer gefahren, „hier sind zehn Häuser, nur eines ist noch bewohnt“.

Meist waren wir rechtzeitig vor den täglichen Regengüssen wieder im Hotel. Dieses war ein Haus der Kette „Design Hotels“, geschmackvoll und gediegen in einem ehemaligen sowjetischen Erholungsheim eingerichtet – was man ihm von außen durchaus ansah. Oft kamen große Reisegruppen mit Bussen für einen Nachmittag und eine Nacht, viele Russen, die im Gegensatz zu den Georgiern die Grenze passieren dürfen, Chinesen, Amerikaner Österreicher und Israelis und auch einige Deutsche.

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Rooms Hotel Kasbegi Aufenthaltsraum

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Die Fassade des Rooms Hotels. Blick nach Süden

Kasbegi ist mehr als nur eine Reise wert. Sollte jemand dorthin kommen, der – wie wir – gern wandert, aber tagelange Rucksacktouren nicht mehr auf sich nehmen kann, für den habe ich einen Vorschlag: Mit dem Taxi zur Gergeti Kirche auf 2100 m Höhe fahren – spart mindestens 90 Minuten Gehzeit – und von dort einige Stunden Richtung Kasbek wandern. Da erreicht man zwar den Gipfel noch lange nicht, aber kommt ihm doch näher – sicher bis zur Schneegrenze! Ich wäre glücklich, wenn mir das noch einmal vergönnt wäre.

Ein wunderbares Land, dem eine friedliche Entwicklung außerhalb der Interessenskämpfe der Großmächte zu wünschen ist.

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Die neuerbaute Sameba Kathedrale in Tbilisi

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Neue Kirche im alten Stil

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Heiße Straße in Tbilisi

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Am Steilufer des Mtkvari in Tbilisi

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Alte Kirche über dem Mtkvari in Tbilisi

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Blick vom Balkon des Hotels Bonus in Tbilisi

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Links der Präsidenten-Palast, rechts ein Ungetüm – die Bauruine eines Konzertsaales

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Tergi-Tal (bei Kasbegi). Der Tergi fließt nach Russland.

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Im Chaukhi-Tal, Blick nach Süden

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 Im Chaukhi-Tal, Blick nach Norden

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Hochfläche auf dem Weg zum Kasbek

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Im Truso-Tal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der 12. Juni – Tag Russlands

10.06.16SAGS“

Nach den erlebnisvollen Tagen mit Besuchen und Reisen im Mai hatten wir zwei ‚normale‘ Wochen. Was ist zu berichten?

Nischni Nowgorod zeigte sich in den ersten Junitagen von der freundlichen Seite. Die Fußgängerzone lockte abends und an den Wochenenden mit einer heiteren, festlichen Atmosphäre: Viele Sänger und Musiker, kleine Verkaufsstände, Portraitmaler, Ponys zum Reiten für Kinder, Eis- und Teeverkäufer und gemütlich schlendernde Spaziergänger.

Es ist auch wieder die Hochzeit der Hochzeiten. Nicht weit von unserer Wohnung warten die Hochzeitsgesellschaften auf die Trauung.  Der normale Fußgänger schlängelt sich durch Gruppen festlich gekleideter Menschen, die vor dem Sags stehen, wie das Standesamt hier heißt: eine Abkürzung des umständlichen offiziellen Namens: Büro zur Einschreibung in die Liste des bürgerlichen Standes (загс: бюро́ за́писи а́ктов гражда́нского состоя́ния).

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Vor dem Standesamt: Stretch Limousine und Menschen

Vor dem Theater an der Bolschaja Pokrowskaja wurde für eine „Nacht der Literatur“ geworben: auf acht Staffeleien standen Plakate mit dem Programm der vielen Veranstaltungen an verschiedenen Orten in der Stadt. Anlass war der 217. Geburtstag von Alexander Puschkin, dem Vater der russischen Nationalliteratur, der am 6. Juni 1799 in der „Deutschen Vorstadt“ (Nemezkaja Sloboda) in Moskau geboren wurde. Puschkin ist der Urenkel des äthiopischen Fürsten Abraham Petrowitsch Hannibal, den Peter I. von seinem Gesandten in Istanbul als Sklave geschenkt bekommen hatte und den er zu seinem Patenkind und später zum Gouverneur von Reval machte. Puschkin und sein Werk sind in Russland noch heute viel lebendiger als in Deutschland das Schaffen unseres Dichterfürsten Goethe.

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Werbung für die Literaturnacht vor dem Theater

Im Naturschutzgebiet Scholkowski Chutor sind die Abfälle geräumt worden, die Strände der Seen mit den Badestellen, die Papierkörbe bei den Sitzbänken und den inoffiziellen Grillplätzen waren sauber – ein ungewöhnlicher Anblick, denn bisher haben wir uns immer über den herumliegenden Dreck geärgert.

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Scholkowski Chutor, Erholung im Naturschutzgebiet

Einmal im Monat besuche ich den kleinen Friseurladen im übernächsten Haus gleich nebenan. Er ist höchstens 20 m² groß und über eine Doppeltür – die äußere aus Eisen, die innere aus Holz – zu erreichen. Das Interieur stammt von IKEA, aus Erbstücken und vermutlich aus Eigenbau, denn die Frisierkommode mit Spiegel ist aus rohen Eisenstangen zusammengeschweißt. In einer Ecke gibt es ein winziges Becken für die Haarwäsche. Betrieben wird der Laden seit einigen Monaten von jungen Leuten. Merkwürdigerweise habe ich bei jedem Besuch anderes Personal angetroffen. Diesmal bediente mich eine kleine junge Frau und sie tat das sehr engagiert und flott. Sie geriet etwas in Unruhe, als sie in den vielen Kisten einen Aufsatz für das Haarschneidegerät nicht fand und per Telefon Rat einholen musste. Meine Ansprüche an die Friseurkünste sind haarmengen- und altersbedingt niedrig: „Oдин центиметер (1 cm) und eine Handbewegung quer über den Kopf“, das wird verstanden: Igelschnitt, einen Zentimeter lang. Dazu gab es holpriges Geplapper (von meiner Seite) und lebhaftes (von ihr) mit der Information, dass sie Nischni liebt, aber gern mal nach Berlin fahren würde, wo einer ihrer Freunde lebt. Diese landeskundlichen Erfahrungen waren für 300 Rubel (ca. 4 €) zu haben.

Am letzten Sonntag waren wir wieder in einem von Viktor Kusnezow geleiteten Konzert des Nischegoroder Russischen Volksorchester, das uns mit dem gekonnten, exakten Musizieren auf russischen Instrumenten (Balalaika, Domra, Gusli, Bayan) schon oft begeisterte. Das Programm unter dem Motto „Gute Laune“ enthielt Werke von Brahms, Piazzolla, Theodorakis und „Обер“. Ober? Nicht bekannt? Die Transkription ausländischer Wörter erfolgt hier einfach nach der russischen Aussprache. „Обер“ steht für „Aubert“. Es wurde für ein Jahres Abo geworben: sechs Konzerte für 1500 Rubel, z. Zt. etwa 20,- €.

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Glückwünsche zum Tag Russlands und zum Tag der Stadt am Kremlturm

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Am Gymnasium Nr.1 „Unser Land – Unsere Stadt – Unser Feiertag“

Plakate am Kremlturm, am Gymnasium Nr. 1 und Spruchbänder über Straßen und Parkeingängen zeigen an: ein wichtiges Ereignis steht bevor. Diesmal der Tag Russlands am 12. Juni, mit dem an die „Deklaration zur staatlichen Souveränität“ der Russischen Föderation von 1990 erinnert wird. Russland erklärte sich nach den baltischen Staaten und nach Georgien unabhängig von der Sowjetunion und besiegelte damit deren Ende. Das Motto auf den Plakaten lautet: „Unser Land – Unsere Stadt – Unser Feiertag“. Manchmal ist die Zahl 795 hinzugefügt; vor 795 Jahren, also 1221, wurde Nischni Nowgorod gegründet. Die Aufschriften zeigen eine gewisse Unklarheit: ist dies ein Gedenktag für das neue, 26 Jahre alte Russland oder für das fast 800 Jahre alte Nischni Nowgorod? Bei der Mehrheit der Russen ist dieser ab 1994 arbeitsfreie Feiertag noch nicht so richtig angekommen. Und die Kommunisten trauern der Sowjetunion ohnehin nach und wollen dies nicht feiern.

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Einsamer Rufer: Der 12. Juni – ein amerikanischer Feiertag. Der Zerfall der SSSR eine große Katastrophe

Die Sonderausgabe der Zeitung „Einiges Russland – Partei des Präsidenten“ mit dem Programm der Feiern in Nischni zeigt auf der Titelseite ein Foto von zwei jungen tanzenden Frauen in traditioneller Tracht, mit dem eher Volksfeststimmung als patriotisches Pathos propagiert wird. Die Aufschrift lautet: Glückwunsch zum bevorstehenden Tag Russlands. Darunter wird auf vier weitere Themen der zwölfseitigen Zeitung hingewiesen: auf das Programm der 795-Jahrfeier in Nischni, auf die Ergebnisse von parteiinternen Wahlen, darauf, wie Russland die USA im Eishockey besiegte und auf Notfallkoffer für Datschniki (Datscha-Besitzer). Auf Seite 2 finden sich Gedanken und Informationen zum Tag Russlands mit einem Zitat aus einer Erklärung Putins, illustriert mit dessen Foto – briefmarkengroß. Die andern drei Bilder auf dieser Seite von den Feiern in Moskau im letzten Jahr sind alle größer, eines mit der auf dem Boden ausgebreiteten russischen Fahne ist so breit wie die ganze Seite.

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Titelseite der Zeitung „Einiges Russlands“ mit dem Programm zum 12. Juni 2016 in Nischni Nowgorod

Auf Seite 3 folgt das Programm für die Feiern zum Tag der Stadt in Nischni. Beginn um 11 Uhr überall in der Stadt. Auf allen Plätzen läuft stündlich ein Film: „795 Schritte durch die Stadtgeschichte – 7 Stunden, 9 Denkmäler, 5 Strecken“. Um 22.30 Uhr beendet ein traditionelles Feuerwerk das Fest. (Russisch Феиерверк, Fe-ierwerk). Die Hauptveranstaltung auf dem Minin- und Poscharski Platz begann mit der russischen Nationalhymne und mit Ansprachen des Gouverneurs Schanzow und anderer Politiker, gefolgt von der Verleihung einiger Ehrenbürgerschaften. Auf und vor der Bühne hatten sich, wie es im Programm hieß, die 795 besten Sängerinnen und Sänger aus Nischegoroder Chören aufgestellt, überwiegend Schulkinder, aber auch Ältere waren dabei, so der Pensionärs-Chor der Fabrik Hydromasch, in dem unser Freund Siegie mitsingt. Danach wurde die kommende Fußball-WM 2018 besungen und auf den Bildschirmen der Text und Torszenen eingespielt. Es folgte ein Lied auf und über Nischni Nowgorod.

Währenddessen war auf dem Platz ein vielseitiges Angebot von Veranstaltungen aller Art im Gange. Fußball, Hockey, Boxen und Ringen, Trampolin, Gymnastik, Schach, Wettspiele und das alles mit wummernder Musik aus Lautsprechern. In einer Bude gab es mit der Zahl 795 verzierte Weihnachtskugeln zu kaufen. Ebenso dicht umlagert war ein Stand, an dem man sich für Ordnerdienste bei der WM 2018 eingetragen konnte – Altersgrenze 70. Auf dem Heimweg entlang der Bolschaja Pokrowskaja buntes Treiben von Straßenkünstlern, Musikern, Pantomimen und wie immer Verkaufsständen.

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Fußballhymne. Letzte Zeile: Mannschaft ohne die ich nicht leben kann

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Konzentration – allem Lärm zum Trotz

Unser zweites Schuljahr in Russland ist zu Ende, die russischen Schulferien haben am 1. Juni begonnen. Rose hat ihren Intensivkurs für die DSD-Schüler gestern abgeschlossen. In den Sommerferien fahren wir nach Deutschland. Am 1. September beginnt die Schule wieder. Nie hätten im August 2014 geglaubt, dass unser Russlandabenteuer so lange dauert. Wir haben den Aufenthalt bis Mitte 2017 verlängert, was zeigt, dass wir uns wohlfühlen und gern hier sind.

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Am 12. Juni 2016 beim Eingang in die Fußgängerzone

 

Gäste aus Stuttgart – Sternchenspiel und Prüfungen

02.06.2016

Nach den west-christlichen Pfingstfeiertagen besuchten uns fünf Freundinnen und drei Freunde aus Stuttgart. Das Programm: die Stadt Nischni Nowgorod, mit dem Schiff zum Makarjew-Kloster und anschließend mit dem Zug über Wladimir und Susdal nach Moskau. Angefüllte Tage mit eindrücklichen Erlebnissen liegen hinter uns. Was davon berichten? Alles wäre viele Worte wert!

Erhebend wie stets der Besuch eines orthodoxen Gottesdienstes in der Alexander-Newski-Kathedrale mit dem von unserer Freundin Kira Molewa geleiteten Männerchor. Die prachtvolle Kirche und vor allem der Gesang waren bewegende Erlebnisse, zumal einige unserer Gäste diese uralten Melodien zum erstem Mal hörten.

Die außer der Stadtbesichtigung zum Pflichtprogramm für Nischni-Besucher gehörende Fahrt mit der Seilbahn über die Wolga endete unerwartet: plötzlich auftretender starker Wind behinderte den Betrieb. Die Gondel blieb in fast 90 Meter Höhe stehen, 40 bange Minuten lang hatten wir schaukelnd Zeit, die Wolga unter uns und – etwas neidisch – den Betrieb der Autofähre zu beobachten. Langsam, sehr langsam ging es schließlich weiter bis in die Stadt Bor am anderen Ufer. Dann musste der Betrieb der Seilbahn endgültig eingestellt werden. Für die Rückfahrt blieb uns nur einer der vielen Busse, der uns für 40 Rubel (60 cts) die gut 15 km über die einzige Wolgabrücke zurück nach Nischni brachte.

Mit dem großen Schiff „Michael Frunse“ fuhren wir über Nacht zu dem 105 km Wolga-abwärts gelegenen Makarjew Monastyr.

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Das Makarjew Kloster

Wieder ein großes Kloster mit einer bewegten Vergangenheit: 1435 von dem Einsiedler Makari gegründet, im 16. Jh. von den Tataren zerstört, sank nach 1817 seine Bedeutung, weil man die Messe nach Nischni Nowgorod verlegte. In der Sowjetzeit wurde es nacheinander als Kinderheim, Lazarett und zuletzt als zooärztliches Technikum genutzt. Seit 1991 wiederaufgebaut, leben jetzt 16 Nonnen dort. Wir hatten Zeit zu einem kurzen Spaziergang in das nahegelegene Dorf, das mit seinen Holzhäusern, den sandigen Wegen und seiner Lage am Fluss unserem Bild von „typisch russisch“ entspricht.

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Das Dorf beim Makarjew Kloster

Bemerkenswert: In der Kajüte der Michael Frunse warb ein Prospekt für Rhein-Main-Kreuzfahrten im nächsten Jahr. Die Hoffnung auf ein wieder normales Verhältnis zu Deutschland lebt noch, auch bei russischen Reiseveranstaltern.

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Dimitri-Kathedrale in Wladimir

In Wladimir wohnten wir selbstverständlich im Erlangen Haus, wie immer freundlich empfangen und mit einem üppigen Frühstück verwöhnt. Eine redegewandte Stadtführerin zeigte uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die mit Reliefs verzierte Dimitri-Kathedrale, die Maria-Entschlafens-Kirche, die zur Zeit renoviert wird und das Goldene Tor.

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Susdal: Blick über die Kamenka auf das Maria-Schutz-Nonnenkloster

Mit einem gemieteten Bus fuhren wir nach Susdal (30 km), dem zweiten Juwel auf dem Goldenen Ring. Wir besichtigten – viel zu kurz wie immer bei solchen Touren – das Freilichtmuseum mit Windmühlen, Holzhäusern und Holzkirchen, den Kreml und den Marktplatz und das seit dem 19. Jh. als Gefängnis und jetzt als Museum genutzte Erlöser-Jewfimi-Kloster, wo wir ein eigenartiges Musikerlebnis hatten: Um 12 Uhr das Spiel auf den Glocken. Der Glöckner stand auf dem Glockenturm und arbeitete mit Händen und Füßen an Seilen, mit denen er die Klöppel an die Wände der Glocken schlug. Es erklang eine rhythmische Melodie – ungewöhnlich und mit den Glockenspielen in den westlichen Ländern nicht zu vergleichen.

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Susdal: 12 Uhr Läuten im Erlöser-Jewfimi-Kloster

Wir hatten das Glück, in Susdal vom Stadtoberhaupt Sergej Sacharow empfangen zu werden, der, wie Peter Steger  in seinem Blog >Erlangenwladimir.wordpress.com< schreibt, es sich nie nehmen lässt, Gäste aus Deutschland zu empfangen.

Von Nischni nach Wladimir waren wir mit der ‚Lastotschka‘ gefahren, dem von Siemens produzierten modernen Zug. Nach Moskau ging es mit einem russischen Fernreisezug, in Wagons wie bei der Transsib. Es hätte auch einem modernen schnelleren Zug gegeben, aber unsere Gäste wollten sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. So bezogen wir unsere Liegewagenabteile, die Schaffnerin brachte das zu jedem Platz gehörige Bettzeug, (das wir nicht brauchten) und die Speisewagenbedienung ein Abendessen (leider abgepackt wie im Flugzeug). Wir tranken Tee aus den bekannten Gläsern mit den silbernen Haltern, Podstakanniki genannt.

Wenn das bisherige Programm schon voller neuer Eindrücke war, so kam es dann in Moskau noch geballter. In Nischni, auf der Wolgafahrt, in Wladimir und Susdal lief alles eher ruhig und besinnlich, hier war es prickelnd, aufregend und überwältigend. So hatte das keiner erwartet. Unsere Gäste sagten immer wieder, „wir haben uns das Leben in Russland und besonders in Moskau ganz anders vorgestellt.“ Sie waren von der Heiterkeit und Lebendigkeit überrascht. Für uns alte Hasen war das eine Genugtuung, denn es bestätigte unsere eigenen Erfahrungen.

Der gute Eindruck wurde auch durch die mühsame Stadtrundfahrt nicht sehr getrübt, denn die vielen Staus verschafften der Stadtführerin nach dem Standardprogramm die Zeit, uns über die hohen Wohnungspreise in Moskau zu informieren: 35000 Rubel Miete für eine 45 qm große Einzimmerwohnung am Stadtrand.  Doch die meisten Moskauer leben in Eigentumswohnungen, die nach der Wende vom Staat kostenlos den Bewohnern übereignet wurden. In den von ihr Goldene Meile genannten Luxusstraßen kostet jetzt in einer Eigentumswohnung der qm bis zu 60000 US-Dollar (z.Zt. ca. 4000000 Rubel). Kein Wunder in einer Stadt, in der man im Zentrum auf 30 Meter vier Bentleys geparkt sehen kann, alle mit Fahrer, die mit laufenden Motoren auf ihre Chefs warten. Von den dicken Mercedeslimousinen, den Wagen mit dem RR auf der Kühlerhaube, den Range Rovers ganz zu schweigen. Aber: es gibt noch genügend Autos von Normalbürgern, wie die immer verstopften Straßen beweisen. Deshalb ist die Metro das wichtigste Verkehrsmittel für die meisten Moskauer: Zugfolge alle zwei Minuten, mit der 20er Karte kostet eine Fahrt mit Umsteigen 32,50 Rubel.

Nur der Vollständigkeit halber: wir besichtigten den Friedhof beim Neujungfrauenkloster, konnten vom Panorama auf den Spatzenbergen einen Blick über die Stadt werfen und sollten den Roten Platz ausführlich erläutert bekommen. Daraus wurde nichts: eine Brücke war für blaulichtbegleitete Regierungsfahrzeuge gesperrt, nach langem Warten entschloss sich unsere Führerin lieber mit der Metro dorthin zu fahren. Das ging dann zwar schnell, aber die verlorene Zeit war nicht wieder einzuholen, sie musste zu ihrem nächsten Termin.

Von den Besuchen in den beiden Tretjakow Galerien – auch Pflichtprogramm in Moskau – zeige ich hier nur jeweils das Gemälde, das mich diesmal besonders beeindruckt hat. Immer wieder erstaunlich ist, dass man ohne Blitz fotografieren darf, was wir reichlich getan haben – mit dem Vorsatz, die Bilder zu Hause in Ruhe noch einmal zu betrachten. Wir waren zum zweiten Mal in den beiden Museen, haben vieles neu entdeckt und sind sicher, dass es noch viel zu entdecken gibt. Unsere Gäste waren überwältigt.

k-64. Ber (06)                                      In der neuen Tretjakow-Galerie: Bedrückendes Bild, fast eine Prophezeiung

Die neue Tretjakow Galerie liegt in einem Park an der Moskwa und zeigt russische Kunst des 20. Jahrhunderts von der Avantgarde der 1910 – 1920er Jahre bis hin zu zeitgenössischen Malern. In der verknöcherten Zeit des Sozialistischen Realismus gab es eine reiche Untergrundkunst mit beeindruckenden Bildern, die erst nach der Wende gezeigt werden konnten. Und danach eine Vielfalt der Stile und Inhalte. Eric Bulatow malte 2007 das ungewöhnliche Bild „Die Wolken wachsen“, dessen bedrohliche Ausstrahlung wie eine Prophezeiung für die heutige Situation wirkt.

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In der alten Tretjakow-Galerie

Die alte Tretjakow Galerie, nicht allzu weit weg vom Kreml gelegen, war viel stärker besucht als die neue. Vor dem Einlass stand eine lange Menschenschlange. Hier wird die russische Kunst vom 11. Jh. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zelebriert, so muss man fast sagen. Alles ist großartig ausgestellt und die vielen großformatigen Bilder kommen beeindruckend zur Geltung. Das Bild „Unerwartete Heimkehr“ von Repin hat zwar Normalmaße, beeindruckt aber durch seine Aussagekraft.

Zu einem Moskaubesuch gehört, wenn man Glück hat, eine Aufführung im Bolschoi Theater. Wir waren glücklicherweise am 8. März in Moskau und konnten so kurz nach Eröffnung des Vorverkaufs hervorragende Karten bekommen. Diesmal sahen und hörten wir die Oper „Boris Godunow“ von Modest Mussorgsky, die ein dramatisches Kapitel der russischen Geschichte behandelt: das Emporkommen des falschen Dimitri (oder des richtigen, das weiß bis heute keiner so genau), der mit Hilfe der Polen Russland besetzte, was die Zeit der Wirren einleitete, die erst 1612 mit dem von Minin und Poscharski geführten Aufstand endete. Es ist wieder müßig, über die musikalische und künstlerische Qualität zu reden. Es handelte sich um die 720. Aufführung seit 1881 und um die 465. in dieser Inszenierung von 1948, die mit ihren Massenszenen und den realistischen, üppigen Bühnenbildern typisch russisch war. Manche Zuschauer störten, weil sie während der Vorstellung mit ihren Handis fotografierten oder gar SMS verschickten – kaum zu fassen!

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Der Rote Platz am 27. Mai 2016 um 21.37 Uhr. Diesmal ohne Buden oder Bühnen.

Moskau wird renoviert. Auf vielen, sehr vielen Straßen und Plätzen waren die Bauarbeiten durch lange Absperrungen verdeckt, die aus fast durchsichtigen Gazetüchern bestanden und mit den Bildnissen von Musikern, Schriftstellern und anderen berühmten Menschen bedruckt waren. Auf dem Straßenpflaster häufig zu lesen: „Der Aufschwung kommt“ (Рост будет).

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Bauzaun mit Portraits: hier des Gründers des Feinkostladens Jelissejew

Im großen Wysoko-Petrowski-Kloster (1380) an der Petrowka Ulitza befinden sich vier Kirchen, darunter eine alte, von außen baufällig wirkende kleinere, die uns innen mit ungewöhnlichen Ikonen aus Keramik überraschte. Zu Sowjetzeiten waren im Kloster Fabriken untergebracht, jetzt ist hier die Verwaltung des Patriarchenseminars.

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Ikonostas mit Keramik-Ikonen im Wysoko-Petrowski-Kloster

In das Museum für moderne Kunst an der Petrowka Ulitza, einer der vier Standorte des MMOMA (Moskauer MOMA), wollten wir morgens zu zeitig –  es war noch geschlossen doch der Garten mit Arbeiten des Bildhauers Surab Zereteli konnte besichtigt werden: Große Bronzefiguren, witzig die „Stadtmenschen“, bedrückend die „Erinnerung an die Opfer des Gulag“.

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Surab Zereteli: Stadtmenschen

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Gedenken an die Opfer des Gulag

Auf der Bolschoi Moskworetschki Brücke wird nach wie vor an die Ermordung von Boris Nemzow erinnert. Die Zahl der seit dem Mord vergangenen Tage, (454) wird auf einem selbst gefertigten Plakat immer noch täglich angezeigt. Viele frische Blumensträuße stehen an der Brückenmauer.

Für uns „Dauergäste in Russland“ war die Zeit mit unseren Freunden aufregend und befriedigend. Wir haben mit Sympathie deren Reaktionen auf die Besonderheiten des Lebens hier beobachtet, die unangenehmen (wie die Löcher auf den Gehwegen, Vorspeisen nach dem Hauptgang serviert…) oder die angenehmen (wie die überaus freundliche Aufnahme durch die hiesige Bevölkerung, die Musik, die Kunst, die Architektur, das Land…)

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Leihfahrräder– solche Stände gibt es an vielen Stellen in Moskau. Am Boulevard-Ring waren alle Räder unterwegs, sehr schade. Radfahren in Moskau wäre mal was Neues gewesen

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Bauzaun an einer Straße auf dem Boulevard-Ring

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Schachspielen in einer Parkanlage auf dem Boulevard-Ring, jeden Samstag und Sonntag ab 13 Uhr

 

Schulnotizen – Sternchenspiel und Prüfungen

Auch die letzten Wochen des Schuljahres waren angefüllt mit Prüfungen. Als DSD-Lehrerin habe ich zwei weitere Prüfungsformate an unserer Schule eingeführt, die die jüngeren SchülerInnen auf das Deutsche Sprachdiplom vorbereiten sollen. „So geht’s zum DSD“ heißen die Prüfungen in Klasse 7; „Sternchenspiel“, ausdrücklich nicht „Prüfung“ heißt es für die Viertklässler, die seit der 2. Klasse und damit 374 Stunden Deutsch hatten. Für mich waren diese Formate interessant, weil sie zeigen, wie konsequent auf das „Endspiel“ in Klasse 11 vorbereitet wird. Auf jeder Ebene werden Hörverstehen, Leseverstehen, schriftliche Kommunikation und mündliche Kommunikation geprüft. Nur die Inhalte variieren entsprechend dem Niveau.

Etwas für’s Herz waren die mündlichen ‚Prüfungen‘ für die Kleinen, ein Gruppenspiel: In der Mitte des Tisches lagen verdeckt Themenkarten, die die sechs Kinder der Gruppe der Reihe nach ziehen mussten. Themen waren z.B. mein Lieblingsspielzeug, Weihnachten, mein Zimmer, mein Haustier, mein Hobby, meine Familie, Ferien…. über die ca. zwei Minuten gesprochen werden musste. Danach zogen die anderen Gruppenmitglieder Fragekarten und stellten Fragen. Ich war die Spielleiterin, im Hintergrund saßen die zwei Deutschlehrerinnen der Klasse als Beobachterinnen und machten Notizen als Grundlage für die Notenfindung nach jeder Spielrunde. Wie man den Fotos entnehmen kann, war die Stimmung bestens, nicht nur bei der Prüfung, sondern auch bei der Preisverleihung.

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 Das Sternchenspiel

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Die Preisverleihung

Auch die staatlichen Prüfungen sind seit Ende Mai in vollem Gange. Die Neuner machen eine Abschlussprüfung am Ende der Schulpflichtzeit, die Elfer Abitur. Damit keinerlei Unregelmäßigkeiten passieren können, gehen alle Schüler für die Prüfungen in Begleitung ihrer Lehrer an eine andere Schule, wo sie abgegeben und von den Lehrern der Gastschule beaufsichtigt werden. Mein Gymnasium beherbergt in diesem Jahr fünf geistig oder körperlich behinderte Schüler bei ihrer Abschlussprüfung. Die Kinder werden an verschiedenen Tagen in Mathe, Russisch etc. geprüft. Einen Tag vor jeder Prüfung werden die Prüfungsräume vorbereitet, dann alle Räume der ganzen Schule (nicht nur die Prüfungsräume für die fünf Schüler!) von Inspektoren kontrolliert und versiegelt. Stichpunktartig kommen sogar Inspektoren aus Moskau – wir hatten heute die Ehre. Während der Prüfungen darf nur das Aufsichtspersonal und der Schulleiter in der Schule sein.

Ärgerlich nur, dass wir erst seit Ende letzter Woche wissen, dass wir Prüfungsschule sind. In meinem Fall hat das zur Folge, dass der für die ersten zwei Juniwochen geplante DSD-Intensivkurs nicht nur während der Prüfungstage, sondern jeweils auch am Vorbereitungstag nicht stattfinden kann. So erreichte mich letzten Donnerstag die Mail, dass der Eingangstest für meinen Kurs von Montag auf Mittwoch verschoben werden müsse. Als ich jedoch am Mittwoch mit meinen Schülern den Test schreiben wollte, wurde uns das kurzerhand untersagt, da man gerade erneut am Versiegeln war. Meine Schüler wurden erst einmal auf Freitag vertröstet und heimgeschickt. In dieser Notlage kam meine stellvertretende Schulleiterin auf die rettende Idee, uns in die Grundschulfiliale zu verlagern. Besser spät als nie – drei Tage hatten wir schon verloren. Überraschend für mich bei der Situation war nicht nur die Kurzfristigkeit der Planung, sondern auch, wie gelassen die 16 Schülerinnen und Schüler die Nachricht aufnahmen, dass ihre Prüfung erst zwei Tage später stattfinden würde. Per vkontakte (die Entsprechung zu Facebook) teilte man ihnen dann mit, dass doch nicht am Freitag, sondern schon am Donnerstag in der Grundschule geschrieben würde. Und siehe da: alle waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Fazit Nr. 1: Hier geht es manchmal chaotisch zu. Fazit Nr. 2: Man ist flexibel und kann damit umgehen.

Kloster Neujerusalem

07.05.2016

Moskau war am ersten Maiwochenende festlich geschmückt – mit echten und künstlichen Blumen, mit Bäumchen voller Plastikblüten und immer wieder mit Eiern in allen Größen. Gründe: „Frühling in Moskau“ und natürlich: das orthodoxe Ostern. Von den Feierlichkeiten zum 1. Mai haben wir außer dem gesperrten Roten Platz nichts bemerkt.

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Ostermorgen in Moskau: Weiß geschmückte Bäume

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Osterdeko in Moskau

Wir waren von unserer Freundin Larissa und von Iwan auf dessen Datscha und zu einer Besichtigung des Klosters Neu-Jerusalem eingeladen worden. Daher fuhren wir am frühen Sonntagmorgen mit der Metro zum Bahnhof Tuschinskaja am Stadtrand von Moskau. Dort stiegen wir in die Elektritschka, einen Vorortzug, der uns für 102,50 Rubel (1,40 €) zu unserem etwa 60 km entfernten Ziel brachte. Erwartet hatte ich einen der in der Literatur oft beschriebenen alten Eisenbahnwagen mit Holzsitzen und Bollerofen. Fast war ich enttäuscht, in einen geräumigen modernen S-Bahnwagen zu kommen.

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Wagon der Elektritschka von Neu-Jerusalem nach Moskau (Rückkfahrt)

Nicht enttäuscht hat dann die Hinfahrt, denn schon an der ersten der vielen Haltestellen stieg ein Händler ein, der mit lautem Rufen Zahnbürsten und Passhüllen anbot. Und es folgten in bunter Reihe Verkäufer mit Lavendel von der Krim, Waschmitteln, Tee, Alpengoldschokolade, Blumensamen, Werkzeugen, Chips und Eis. Veteranen aus dem Afghanistan- und dem Tschtetschenienkrieg sangen zu Gitarre und baten um eine Spende. Unter den Mitreisenden waren viele, die offensichtlich zu ihren Datschen fuhren, mit dicken Taschen, Hund und Katze und manchmal mit einem Enkelkind. Auch die Stationsnamen ließen erkennen, dass wir in einem Datschazug saßen: Малиновка (Himbeerowka), Дедовск (Großväterchen-Stadt), Der 50. Kilometer. Die Station „Dreifaltigkeit“ deutete an, dass wir bald an unserem Ziel waren, der Station „Neu-Jerusalem“ im Ort Istra. Dort erwarteten uns Larissa und Iwan. Sie fuhren mit uns zunächst in das „Neu-Jerusalem Männer Kloster“.

Das Männerkloster aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sollte den Anspruch Moskaus auf das „Dritte Rom“ widerspiegeln und ein religiöses Zentrum für alle Rechtgläubigen sein. Im Zentrum der großen Klosteranlage steht die Auferstehungskirche, die eine Nachbildung des Jerusalemer Grabes Christi enthält. Nach der Revolution wurde das Kloster geschlossen und 1924 in ein Museum umgewandelt. Während der dreiwöchigen Okkupation 1941 wurde es ausgeraubt, viele Gebäude wurden sprengt. Ab 1994 wiederaufgebaut, ist das Kloster jetzt bis auf einige Außenanlagen fertiggestellt.

Mir fehlen mal wieder die Worte, den Eindruck wiederzugeben, den der große, reichgegliederte, sich in Weiß, Gold und Türkis darbietende Baukörper unter einem strahlend blauen Himmel machte. Erhaben und trotz des Gebirges aus Bauten und Türmen nicht erdrückend.

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Auferstehungskirche im Kloster Neu-Jerusalem

Beeindruckend ist es auch immer, die Menschen zu beobachten, die dem heiligen Ort am Eingangstor durch Verneigen und Bekreuzigen die Ehre erweisen. Frauen bedeckten auf dem Klostergelände den Kopf mit einem Tuch, Männer sollen dagegen barhäuptig sein, wie es in den orthodoxen Kirchen üblich ist. Am Weg zur Kirche passiert man ein provisorisches Häuschen mit einer heiligen Quelle, vor der viele Leute warteten, um heiliges Wasser zu holen.

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Anstehen nach heiligem Wasser

Der Eingang in die Auferstehungskirche war wegen der Bauarbeiten durch Gitter verengt, so dass man nur zu zweit nebeneinander eintreten konnte. Niemand von denen, die hinein- oder herausgingen, sich wieder bekreuzigten und verneigten, störten sich an einer Frau, die vor dem Kircheneingang stand und telefonierend einen Teil des Weges versperrte, und die sich auch nicht stören ließ.

In der Kirche wurde vor dem Ikonostas gerade an die in langer Reihe wartenden Gläubigen die Kommunion ausgeteilt, ein Frauenchor sang. Gleich daneben war eine lange Menschenschlange vor dem Verkaufsstand für die Kerzen, die in einen der vielen Leuchter vor den Ikonen gesteckt werden. Es lagen Zettel aus, auf die man seine Anliegen schreiben kann, die von den Mönchen später in ihre Gebete aufgenommen werden.

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Nachbildung der Jerusalemer Grabeskapelle in der Auferstehungskirche

Zentral unter der großen Kuppel steht eine kleine Kapelle, die eine Nachbildung des Grabes Christi enthält. Larissa sagte, beides seien originalgetreue Kopien des Grabes, das sie in Jerusalem gesehen hat. Davor eine sehr lange Reihe von geduldig wartenden Menschen, die in die Grabkammer gehen wollen, um zu gedenken und zu beten. Trotz des Menschengewimmels war die Atmosphäre ruhig, festlich. Für uns ist das Nebeneinander von Gottesdienst mit Kommunionausteilung und Chorgesang, dem gleichzeitigen Verkauf von Kerzen, den Betenden vor den Ikonen und den stets umherlaufenden Menschen ungewöhnlich. Jeder verrichtet seine Tätigkeit konzentriert, ohne sich durch die anderen stören zu lassen und ohne das Gefühl, die anderen zu stören.

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Segnung der Osterspeisen vor der Kirche

Vor der Kirche wurden Osterspeisen gesegnet. In langer Reihe standen die Gläubigen an Tischen, auf denen sie die mitgebrachten Speisen aufbauten: die bemalten oder mit Zwiebelschalen dunkelbraun gefärbten Eier, die Quarkspeise Pascha und den Osterkuchen „Kulitsch“. (Kulitsch ist ein runder hoher Kuchen aus mit viel Butter und Eiern angereichertem Hefeteig, oben von einem Zuckerguss gekrönt). Der Pope sprach einige Gebete leise vor sich hin, die er aus einem Büchlein vorlas. Es kam ihm offensichtlich nicht darauf an, dass die anderen seine Worte verstanden. Dann lief er die Tischreihen entlang und segnete mit dem Aspergill, dem Weihwasserwedel, Menschen und Speisen und bevor er wieder in die Kirche ging, gab er mit dem Wedel einem kleinen Jungen scherzend noch ein Klapps auf den Kopf, ein Zeichen für das lockere, unverkrampfte Verhalten.

Die Datscha von Iwan liegt noch eine halbe Autostunde weiter westlich beim Dorf Woskrezensk in der Datschasiedlung „Almas“. Es war eine Fahrt durch russische Landschaft wie wir sie uns vorstellen, geringe Besiedlung, Felder, sumpfige Wiesen, Wäldchen, kleine Flüsse. Wir kamen zum noch nicht ganz fertigen Neubau eines stabilen Hauses, das sich, wie viele Datschen in der Siedlung, ohne weiteres als Dauerwohnsitz eignen würde und verbrachten dort einen ruhigen Tag und bei Nachbarn einen Wodka-reichen Abend.

Mir fiel wieder einmal auf, dass es wenig Singvögel gab, obwohl dort eine landwirtschaftlich geprägte Gegend ist und in den Gärten viele Bäume und Büsche stehen. Von dem Morgenkonzert, das uns in Erlangen oder Stuttgart oft zu zeitig aufweckte, war da nichts zu hören. (Ein Schüler hat nach einem Aufenthalt in Deutschland als bemerkenswertestes Erlebnis geschrieben, dass er am ersten Morgen glaubte, jemand würde den Vogelgesang mit einem Lautsprecher abspielen.)

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Die Datscha, fast fertig

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Abendstimmung

Zum Schluss noch drei Fotos, die daran erinnern, dass die Welt nicht so friedlich ist wie es das einfache und naturnahe Leben auf den Datschen erscheinen lässt.

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Moskau: Nemzow-Gedenken. 429 Tage nach seiner Ermordung. Es standen etwa 40 frische Blumensträuße.

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Plakat: Jahrestag der Ermordung friedlicher Bürger in ODESSA. Nischni Nowgorod erinnert sich und trauert. (um die beim Brand des Gewerkschaftshauses am 4. Mai 2014 Getöteten)

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71 Jahre Ende des 2. Weltkrieges. Plakat in der Nähe des Neu-Jerusalem Klosters. Die Gegend hier war 1941 kurzzeitig von deutschen Truppen besetzt.

 

Oratorium Tschernobyl Liturgie

26.04.2016

Subbotnik: dieser von Lenin für freiwillige, unbezahlte Arbeitseinsätze geprägte Begriff wird heute in Russland nur noch für den Frühjahresputz von öffentlichen Anlagen, von Parks und Grünflächen benutzt. Vereine, Schulen, Firmen und Hausgemeinschaften ziehen aus und sammeln die Abfälle des Winters ein. In Nischni hatte ICANN zusammen mit dem Bürgermeister Iwan N. Karnilin und dem City-Manager Sergej V. Below zu dem als soziales Ereignis geplanten „Subbotnik im Gorki-Park“ für Samstag, den 23. April, eingeladen. Aber es spielte das Wetter nicht mit: es regnete schon die ganze Nacht und früh morgens wurde uns per Facebook und Telefon mitgeteilt, dass die Aktion verschoben wird. Neuer Termin: Der kommende Freitag, deshalb Pjatnitschnik genannt, von Pjatniza – Freitag.

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Subbotnik ausgefallen – die Stadtwerke müssen ran.

Dies heißt allerdings nicht, dass der Winterdreck bis dahin liegen bleibt. Die professionelle Stadtreinigung war und ist eifrig dabei, mit Maschinen- und Muskelkraft reine zu machen. Es war mal wieder eine Überraschung für uns: Innerhalb von vielleicht nur zwei Tagen waren in der vergangenen Woche die Fußgängerzone, die Hauptstraßen und deren Randstreifen sauber gekehrt – vernünftigerweise vor dem Sprießen des ersten Grüns. Die gröbsten Schlaglöcher wurden aufgefüllt und mit Asphalt abgedeckt. Das Geländer der Fußgängerbrücke über die Schlucht auf dem Weg zum Euro-SPAR wurde mit schwarzer Teerfarbe gestrichen. Während zwei Maler die letzten Flächen bearbeiteten, waren drei Männer dabei, die Länge des Geländers für die Abrechnung der geleisteten Arbeit zu messen: zwei hielten ein zwei Meter langes Messband in den Händen, einer legte es da an, wo ein dritter mit seinem Zeigefinger die Stelle markierte, an der das Band vorher endete. Der zweite Mann lief die zwei Meter weiter, legte es an das Geländer und wartete, bis der dritte Mann kam und seinen Zeigefinger wieder an das Ende des Bandes drückte. So ging es munter über die ganze Brücke.

Am 14. März dieses Jahres, am Montag nach der Masleniza-Woche, begann in der orthodoxen Kirche die diesjährige siebenwöchige Fastenzeit vor dem Osterfest, das dieses Jahr auf den 1. Mai fällt. Fasten heißt:  Enthaltung von allen Tierprodukten, kein Fleisch oder Fisch, keine Eier, keine Milchprodukte. Strenge Regeln, doch das Beten sowie ein sündenfreies Leben gelten als der noch wichtigere Teil.

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Roschdestwenskaja 14 – Gastropub Barrymore

In vielen Restaurants gibt es neben dem normalen Menü eine Fastenspeisekarte. So auch im Gastropub Barrymore das wir neulich kennengelernt haben und das uns gut gefallen hat wegen seiner skandinavischen Speisekarte und der tollen englischen Musik der 60er Jahre.

Im Opernhaus wurde an drei Sonntagen eine Matthäus-Passion aufgeführt, die 2006 vom Wolokolamsker Metropoliten Hilarion komponiert wurde. Hilarion, Absolvent des Moskauer Konservatoriums, wurde in Oxford in Philosophie und in Paris in Theologie promoviert und ist Leiter des kirchlichen Außenamtes der Orthodoxen Kirche. Er hat viele geistliche Werke geschaffen, darunter ein Weihnachtsoratorium und eine Göttliche Liturgie. Wir hatten zu spät von den Konzerten erfahren, alle drei waren ausverkauft, voll bis zum „Аншляг = Anschlag“, wie man mit dem deutschen Lehnwort auch hier sagt. Aber über eine Freundin, die eine Mitwirkende kannte, bekamen wir Angehörigenplätze. Das Angebot konnte leider nur Rose nutzen, weil ich wegen Unwohlseins zu Hause bleiben musste. Sie war tief beeindruckt von der ruhig dahinfließenden, an die westliche Romantik erinnernde Musik, die sich immer wieder mit den Klängen des orthodoxen Kirchengesanges mischte. Die Leidensgeschichte wurde von einem Lektor vorgetragen. Die aufführenden Solisten (zwei Sopran- und zwei Altstimmen, Tenor und Bass), das Streichorchester und der Chor boten hervorragende Leistungen, die vom Publikum mit viel Beifall gewürdigt wurden. (Das Werk kann bei youtube angehört werden: http://www.youtube.com/watch?v=A5XgsLqUN6k)

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                                               Bühne des großen Saales der Philharmonie im Kreml am 25.04.16

Am Montag, 25. April, bot sich gleich noch eine Gelegenheit, Musik eines orthodoxen Komponisten zu hören: Zum Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurde das Oratorium „Tschernobyl Liturgie“ des russisch-orthodoxen Metropoliten Jonathan, Erzbischof von Tulchyn und Brazlaw in der Ukraine, im großen Saal der Philharmonie im Kreml aufgeführt. Ebenfalls eine ergreifende Musik, aber ganz anders angelegt als die Matthäus-Passion von Hilarion. Das Symphonieorchester der Studenten des Nischegoroder Konservatoriums und das Kammerorchester „Solisten Nischni Nowgorods“ musizierten, drei Chöre brachten zusammen mehr als 120 Sänger auf die Bühne, zwei Geistliche und aus dem Chor heraus eine Sopranistin als Solistin – das war allein von der Menge her beeindruckend, von der musikalischen Qualität braucht man nicht zu reden – es war einfach großartig!

Das Oratorium ist als eine Art Requiem den Opfern unter den Liquidatoren gewidmet, den Arbeitern, die den Reaktor stabilisierten und einbetonierten. Die Musik ist im ersten Teil klagend, Litanei-artige Gesänge wechseln sich mit dumpfen bedrohlichen Klängen ab, die sich wie zu einem lauten Aufschrei steigern. Der zweite Teil ist optimistischer gestimmt, er endet mit der Freude auf die Auferstehung. Die Musik klingt oft modern, ungewöhnlich und disharmonisch. Trotz der vielen Mitwirkenden blieb der Klang immer durchsichtig, Stimmen und Instrumente waren einander harmonisch angepasst.

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Erinnerung an die Tschernobyl-Katastrophe in Nischni. (Aufnahme vom 26.04.16)

Und zum Schluss: Zur Vorbereitung auf die Tschernobyl Liturgie hatte ich bei Bing die russische Internetseite des Metropoliten Jonathan aufgerufen (vladyka-ionafan.ru) und den Hinweis: „Diese Seite übersetzen“ angeklickt. Der Vers aus dem Hohelied der Liebe im Korintherbrief (1.kor.13), wohl der Leitspruch des Metropoliten, wurde so übersetzt: „Wenn ich die Zungen der Menschen und der Engel, sprechen aber nicht Liebe, ich bin ein Bassklarinettensolo-Becken.“

Bei Luther klingt das so: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle“.

Einkaufszentrum Himmel

19.04.16

In diesem Jahr ist am Srednoj Rynok (Mittlerer Markt) ein großes Einkaufszentrum eröffnet worden. Es heißt НЕБО (Himmel), wie hoch oben am Dach mit nicht zu übersehender Wucht verkündet wird. Auffallend an der ohnehin ungewöhnlichen Architektur ist die Gestaltung der Eingänge, die durchaus die bei Einkaufszentren übliche Größe haben, aber aus der Ferne kaum zu erkennen sind. Es scheint, als ob sie vom massiven Baukörper erdrückt würden.

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Das neue Einkaufszentrum НЕБО (Himmel)

Der Haupteingang (auf dem Bild links hinter den beiden weißen Autos) ist noch unbeschildert, dagegen prangt am Seiteneingang der Schriftzug: «Вход в НЕБО» (Eingang zum Himmel). Drinnen in der Glitzerwelt aus Chrom, Stahl und Hochglanzfliesen fragt man sich, wessen Himmel hier sein soll: Im Keller lockt der riesige Supermarkt „Perekrestok “ mit Einführungspreisen, ebenerdig ruft das bayerische Brauhaus Maximilian zur Einkehr (zwei Halbe und ein großer „Bierteller“ mit einer Brezen und Wurstsalat für 599,- Rubel, ca. acht Euro), im obersten Stockwerk ein edles Restaurant mit grandioser Aussicht über die Stadt, Burger King und andere Schnellimbiss-Lokale, die Etage tiefer ist für die Kinderwelt reserviert, in den anderen drei Stockwerken mehr als 30 Geschäfte aus den gehobenen internationalen Mode-, Parfümerie- und Juwelierbranchen. Die wenigsten davon sind kyrillisch beschriftet. Einige Räume sind noch geschlossen, auf ihren Schaufenstern findet sich der optimistische Hinweis „Wird bald eröffnet“. Unser Eindruck: Das ist alles riesig und auf großen Zuspruch ausgelegt.

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Nebeneingang: Вход в НЕБО (Eingang zum Himmel)

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Restaurant Maximilian im Einkaufszentrum НЕБО

 

Wir kennen fünf ähnlich große Einkaufszentren in Nischni und es gibt noch mehr, alte basarähnliche und neue im modernen Warentempel-Stil. Sie warten alle auf Kunden und – ebenso wie wir – auf ein Ende der Krise!

Eisentüren – Fotomuseum – DSD-Prüfungen

12.04.16

Wir entdecken hier noch immer Dinge, die – aus welchen Gründen auch immer – anders sind als bei uns, die uns überraschen. Ganz in unserer Nähe ist ein kleiner Laden, an dem wir sicher schon neunundneunzig Mal vorbeigelaufen sind, ohne ihn zu beachten. Eine wenig einladende Eisentür lockt nicht, selbst wenn sie offensteht. Dahinter kommt gleich eine weitere Tür mit Holzrahmen und Glasscheiben. Erst kürzlich hat uns das Schild „Konditorei“ neugierig gemacht. Als wir die Schwellenangst überwunden und durch beide Türen gegangen waren, befanden wir uns in einem winzigen schmalen Lädchen, das schon durch uns beide voll zu sein schien. Aber wirklich vollgestopft war es mit Süßigkeiten. Und was für welchen: in bester Qualität und reicher Auswahl Schokoladen und Gebäck und die russischen Konfjeti, die stückweise verkauft werden. Wir sind seitdem regelmäßige Kunden und kaufen dort  Konfjeti mit so schönen Namen wie „Alte Freunde, Männertränen, Frauentränen“.

k-60. Ber. (1)„Konditerskaja“, rechts davon drei Fenster eines Schreibwarenladens, der alle Produkte der Fa. Erich Krause führt

Wir sehen das hier häufig: wenig ansprechende Eisentüren, oft schmal und wegen der Winterkälte in doppelter Ausführung, führen in kleine Geschäfte wie eben beschrieben, aber auch in große basarähnliche Räume. Von außen ahnt man kaum, was sich hinter den Eingängen verbirgt. Es gibt auch meist nur kleine Schilder. Manchmal geht es tief in den Keller, manchmal mehrere Stockwerke hoch. Für uns Neulinge erforderte es anfangs einige Überwindung in diese fremde Welt einzudringen, die sich erst als freundlich und nützlich erweist, wenn man drinnen ist.

Auch unsere Haustür macht keine Ausnahme, sie ist aus stabilem Eisen. Ohne Türklinke ist sie von innen nur durch Druck auf einen kleinen Schalter zu öffnen, von außen mit einem Sensor. (Ich weiß nicht, was bei Stromausfall passiert.) Außen kleben oft an der Wand auch noch Zettel aller Art: suche Parkplatz, jemand bietet seine Kosmetikdienste an, ein PC-Fachmann macht auf sich aufmerksam usw. Sicher nützliche Informationen, nur verschönert wird unser Eingang dadurch nicht!

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Unser Hauseingang, rechte Tür

Ein weiteres Beispiel ist das „Russische Fotografie Museum“ auf der Ulitza Piskanowa. Außen eine Eisentür unter einem Gusseisendach, dahinter gleich eine zweite mit Glasfenstern, dann steht man in einem kleinen Flur und hat links vor sich eine weitere Stahltür und rechts eine Treppe. Ein kleines Schild weist zur Stahltür in den „Fotosalon“ und zur Museumskasse. Also, nur Mut, – um diese abweisenden Türen zu öffnen, muss ich mich immer noch etwas überwinden. Aber dahinter findet man auch hier, was gesucht wurde: das Fotografie-Museum!

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Eingang zum „Russischen Museum der Fotografie“

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Im Hausflur des Fotomuseums

Bei der zerbrechlich wirkenden Kassiererin zahle ich meinen Obolus, 75 Rubel, und werde von ihr durch einen schmalen Gang um zwei Ecken in den Fotosalon, einen nicht zu großen Raum geführt, sie schaltet das Licht für mich an und da stehe ich nun vor alten Kameras oder „Fotografier-Geräten“ – Fotoapparate können die Ungetüme kaum genannt werden – und vielen Bildern.

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Im Fotosalon

Das älteste Bild ist das „Portrait eines Mädchens“ von einem unbekannten Autor aus der Mitte des 19. Jahrhunderts „Retaken from the daguerreotype and reworked“. Schwierig zu erkennen, zumal auch die Spiegelungen auf der Glasscheibe stören, aber es handelt sich um ein Aktfoto, um eines der wenigen aus dieser frühen Zeit des Fotografierens. Erstaunt mich, da wüsste ich gern mehr!

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Daguerreotype: Portrait eines Mädchens – Mitte 19. Jhdt.

Die Fotos aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen Menschen, Straßen und Häuser, sie gefallen mir durch ihre Brillanz und Schärfe. In einem weiteren kleinen Raum sind Apparate und Aufnahmen aus dem 20. Jahrhundert ausgestellt, interessant, weil man durch sie die baulichen Veränderungen in der Stadt sehen kann (Roses Schule war bis 1953 nur zweistöckig) und historische Ereignisse gezeigt werden (Einweihung der Tschkalow Treppe 1949). Als ich den Fotosalon verlassen will, kommt die nette Kassiererin mit mir in den Flur und begleitet mich freundlich, aber bestimmt nach oben. Sie hatte Angst, ich würde gehen, ohne die oberen Räume besucht zu haben – was unbegründet war. Und bald merke ich warum sie so eifrig ist: Es findet gerade eine Fotoausstellung anlässlich des 25jährigen Bestehens der „Union der Fotografen Russlands“ statt. Ich habe es nicht bedauert, dort gewesen zu sein. Eindrucksvolle Fotos aller Genres, viele in Schwarz/Weiß. Spannend zu sehen!

Zum Schluss meines Berichtteils ein ungewöhnlicher Blick durch noch kahle Büsche auf die Alexander-Newski-Kathedrale mit für Russland unerwartetem Vordergrund.

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Blick auf die Alexander-Newski-Kathedrale am 7. April 2016 um 12 Uhr

Schulnotizen

Die letzten Wochen waren so angefüllt mit Schule, dass ich keine Zeit fand, darüber zu berichten. Jetzt habe ich wieder Luft und möchte zurückblicken.

Der größte Brocken waren die DSD I (Deutsches Sprachdiplom) Prüfungen, die in der neunten Klasse abgelegt werden können und den Schülern Kenntnisse auf der Ebene B1 des Europäischen Referenzrahmens bescheinigen (http://www.europaeischer-referenzrahmen.de). In diesem Jahr waren es 27 Schülerinnen und Schüler, die in den Kategorien Leseverstehen, Hörverstehen, Schriftliche Kommunikation und Mündliche Kommunikation ihre Deutschkenntnisse unter Beweis stellen wollten. Die Vorbereitung auf die 15minütige mündliche Kommunikationsprüfung ist für Schüler und Lehrer sehr zeitaufwändig. Vor allem die darin enthaltene Powerpoint-Präsentation über Themen wie Feste in Deutschland, die Besonderheiten der deutschen Küche, München, Richard Wagner, Zahnpasta, meine Lieblingsreise nach Deutschland…  sind in der Regel eine Herausforderung. Was ist mir bei den Prüfungen besonders aufgefallen?

Erstens: Die Schüler schreiben ihren Präsentationstext, lassen ihn korrigieren und lernen ihn auswendig. Es ist für sie undenkbar, den Vortrag nur mit Stichwortzetteln frei zu halten. Zweitens: Am meisten hatte ich bei der Vorbereitung gegen das ‚Copy und Paste‘ Verfahren zu kämpfen. Manchen Text habe ich bis zu dreimal mit der Angabe des Links, wo er ‚gestohlen‘ war, zurückgeschickt. Drittens: Die Neigung zum ‚Last Minute‘ Arbeiten hat mir sicher eine Million graue Haare beschert.  Eine Schülerin, die ihren Text überarbeiten und zurückschicken sollte und dies tagelang nicht tat, erklärte, aber erst auf meine Nachfrage, dass sie ihr Passwort vergessen habe und ihre Mails nicht mehr öffnen könne. Eine andere hatte sich eine neue E-Mail-Adresse zugelegt, ohne dies kundzutun. Drei Tage vor der Prüfung waren manche Texte höchstens halbfertig, ließ ich noch zwei Schüler große Passagen aus Wikipedia umformulieren. Die Endversionen der Powerpoint-Präsentationen, die zwei Tage vorher zugeschickt werden sollten, kamen nach mehrfachem Anmahnen per Mail und Telefon am Abend vorher. Was ich fast nicht zu hoffen gewagt hatte: Die Schüler liefen in den Prüfungen zur Hochform auf, die sprachlichen Leistungen und die Endergebnisse waren – auch aus der Sicht der Fachberaterin aus Moskau, die für den Prüfungsvorsitz angereist war – beachtlich. Was ist an dem geschilderten Verhalten russisch, was ist allgemein pubertär, was ist speziell die Klasse 9 des Gymnasiums Nr. 1? Vielleicht von allem etwas. Jedenfalls bekommen auch meine Kolleginnen in dieser durchaus sympathischen, verträumten, verliebten, kreativen, impulsiven, begabten, aber halt schlampigen Klasse graue Haare.

Ein weiteres Ereignis war der Schulausscheid der Lesefüchse, ein Literaturwettbewerb, den ich letztes Jahr an unserer Schule eingeführt habe. In diesem Jahr hatten sich über dreißig – meist Schülerinnen – gemeldet, bis zum Finale hielten allerdings nur drei durch. Die drei Schülerinnen diskutierten ein Buch über den Ersten Weltkrieg (‚Die Zeit der Großen Worte‘ von Herbert Günther) und einen Krimi (‚Seefeuer‘ von Elisabeth Herrmann). Die Dramatik des Wettbewerbs war, dass wir eigentlich zwei Siegerinnen hatten, und die vierköpfige Jury fast eine Stunde lang diskutierte, wer vielleicht doch ein bisschen besser war, bzw. wer beim Regionalausscheid in Moskau die größeren Chancen haben wird, weiterzukommen. Es gewann Mascha (zweite von links). Anja (ganz links) ist ihre Enttäuschung anzusehen.

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                                                                 Lesefüchse beim Schulausscheid 2016

In den letzten Wochen fanden auch zwei Wettbewerbe an der Linguistischen Universität statt, bei denen ich Jury-Mitglied war. Außer mir gibt es in Nischni nur noch einen weiteren muttersprachlichen –  österreichischen –  Deutschlehrer, der an der Hochschule für Wirtschaft unterrichtet, sodass wir immer wieder zu Aufgaben an der Linguistischen Uni eingeladen werden.

Der erste Wettbewerb war ein Dolmetscher-Wettbewerb. Im ersten Teil mussten die Studenten die Rede des österreichischen Bundesministers für Europa, Integration und Äußeres, Sebastian Kurz, zum Internationalen Tag der Frau konsekutiv übersetzen, im zweiten Teil ein Gespräch des nischegoroder Gouverneurs Schanzev mit einer österreichischen Wirtschaftsdelegation zum Thema Fußball-Weltmeisterschaft 2018, die auch in Nischni Nowgorod ausgetragen wird. Ob es ein Zufall ist, dass es um österreichische Texte ging? Auch die Tatsache, dass es hier immer noch einen österreichischen Konsul gibt, zeugt von besonders engen Beziehungen auch in Zeiten der Krise.

Der zweite Wettbewerb war etwas für’s Herz. Der trockene Name „Phonetik-Wettbewerb“ täuscht über das Kreative, Künstlerische der Veranstaltung hinweg. Die Studenten des ersten Lernjahres deklamierten auswendig deutsche Gedichte von Goethe bis Brecht, die des zweiten Studienjahres literarische Prosatexte von Hesse bis Kehlmann. Die Beiträge waren meist mit passenden Bildern und Musik unterlegt.

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 Beeindruckend war nicht nur die Memorierfähigkeit und die klare, akzentfreie deutsche Aussprache, sondern auch das dramatische Talent. Die Sieger der ersten Runde hatten dann in der zweiten Runde unbekannte Sachtexte vorzulesen. Für die Gewinner der Gold- Silber und Bronzemedaille gab es Buchpreise. Zwischen den einzelnen Sektionen sorgten Sketche über Unterrichtsszenen für Auflockerung.

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                                                                    Der Rap eines unmotivierten Studenten

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Beppo Straßenkehrer aus „Momo“

 

 

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