Von Stuttgart nach Nischni Nowgorod

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Archiv der Kategorie: Alltag

Wasser – Gas – Wärme

 

Nischni Nowgorod grenzt an zwei Städte, die den zweifelhaften Ruf haben, die ökologisch am stärksten verschmutzten Orte Russlands zu sein. Etwa 30 km Oka aufwärts liegt Dserschinsk mit vielen Chemiebetrieben, 20 km Wolga abwärts siedelte sich in Kstowo die Ölindustrie an. Das hat Folgen für das Grundwasser und die Flüsse, aus denen das Trinkwasser gewonnen wird, und das deshalb intensiv aufbereitet werden muss. Das Wasser aus der Wasserleitung riecht manchmal mehr, manchmal weniger nach Chemie, was man beim Duschen merkt. Deshalb filtern es viele Leute, bevor sie es trinken oder zum Kochen benutzen. Wir vermeiden das, in dem wir Trinkwasser kaufen. In unserer Wohnung lesen wir die verbrauchten Mengen von kaltem und heißem Leitungswasser an je zwei Zählern ab. (Wasserpreis 27,68 Rubel pro m³, ca. 45 cts).

Das ist in Nischni nicht überall so. In vielen alten Häusern gibt es noch keine Zähler; dort wird für den Verbrauch von einem pro Kopf-Pauschalbetrag ausgegangen. Weil die Stadt erreichen will, dass sich alle Eigentümer Wasserzähler einbauen lassen, liegt dieser Pauschalbetrag deutlich höher als wenn der Verbrauch gemessen wird.

Leitungswasserzapfen an der Uliza Gogolja

Zusätzlich gibt es an einigen Stellen in der Stadt noch Hydranten, aus denen jedermann in beliebiger Menge Wasser holen kann, was ziemlich verblüffend ist. Die Kosten für dieses Wasser werden auf die Allgemeinheit umgelegt.  An einer Straßenecke bei unserem Haus füllen da Leute oft viele Flaschen oder Eimer, manchmal einen PKW-Anhänger voller großer Gefäße. Siegie meint, früher in sozialistischen Zeiten, als Wasser generell kostenlos abgegeben wurde, gab es an jeder Ecke solche Hydranten.

Dieser Hydrant auf der Uliza Schewtschenko wird offensichtlich auch im Winter genutzt.

Unser Trinkwasser beziehen wir von der Firma „Wasser Schwesterchen“ (Вода Сестрица), die es aus Tiefbrunnen in einem über 300 km östlich von Nischni gelegenen Naturschutzgebiet der autonomen Republik Mari El gewinnt und in großen 18,9 Liter-Flaschen für 160 Rubel liefert, (8,5 Rubel/Liter oder 14 cts/Liter). Im Herbst 2014 kostete es 145 Rubel. Im Internet bestellt, wird es am nächsten Tag im gewünschten Zeitraum zuverlässig in die Wohnung gebracht. Bei Lieferung sind die Flaschen, in blaue, leider löchrige Plastiksäcke gehüllt. Mit einer auf die Flasche geschraubten Plastikpumpe wird das Wasser abgezapft. Es schmeckt auch bei Raumtemperatur gut.

Trinkwasser für das Gymnasium Nr.1 mit Schülern im Spiegel

Zum Kochen verwenden wir Gas, das von Gazprom für 5,22489 Rubel pro m³ (8,7 cts) geliefert wird. Den Verbrauch lesen wir einmal im Jahr an einem Zähler in der Küche ab. Auch Gaszähler gibt es erst seit der Wende, in sowjetischen Zeiten wurde der Verbrauch pauschal pro Kopf berechnet.

Die im Winter üppigst gelieferte Heizwärme und der Wärmebedarf für warmes Wasser werden nicht gemessen, sondern pauschal pro m² Wohnfläche berechnet und von uns mit der Miete bezahlt. Unsere Vermieterin musste erst die счёточка, etwa das „Rechnung-chen“ befragen, ehe sie uns den Betrag von 7000 Rubel (116 €) pro Monat für unsere etwa 100 m² große Wohnung nennen konnte.

Die Kassiererinnen bei Euro-Spar fragen auch nicht nach der Kunden-Karte (Карта), sondern nach dem Kärtchen (Карточка), das Rausgeld sind Rubelchen und Wasser ist Woda (Вода), daraus wird schnell ein Wässerchen, auch Woditschka oder kurz Wodka genannt und so weiter-chen.

Schulnotizen

Auch dieses Jahr schickte ich wieder eine Lesefüchsin zum Regionalfinale nach Moskau, diesmal in Begleitung einer russischen Kollegin. Nachdem unsere Schulsiegerinnen in den vergangenen zwei Jahren das Regionalfinale gewannen und also am internationalen Wettbewerb in Berlin teilnehmen durften, machten wir uns auch dieses Jahr gewisse Hoffnungen auf den Sieg, obwohl unsere diesjährige Teilnehmerin erst in der neunten Klasse ist und gegen gestandene Elftklässlerinnen antreten musste. Doch Tassja belegte ‚nur‘ den zweiten Platz. Warum? Die Finalistinnen mussten im Losverfahren ein Buch ziehen, das sie dann resümieren und interpretieren sollten. Die Nebensitzerin von Tassja, die Kandidatin aus Kasan, zog ausgerechnet ein Buch, das sie nicht gelesen hatte. Tassja, voll Mitleid, bot ihr an, heimlich die Bücher zu tauschen. Die Folge: Das Kasaner Mädchen machte den ersten Platz und fährt jetzt nach Berlin. Tassja bleibt in Nischni. Tassja, wir lieben dich für deine soziale Ader!

Am 4. Mai führten wir „Komm wieder, aber ohne Waffen“ für die Schülerinnen und Schüler der Unterstufe auf, die nicht zur Premiere eingeladen waren. Da abzusehen war, dass ich etwas später in meinen Unterricht kommen würde, schrieb ich meinen Elftklässlerinnen auf, welche Aufgaben sie bis dahin erledigen sollten. Als ich kam, waren meine Mädels eifrig am Diskutieren, die Aufgaben waren nicht gemacht. Meine Standpauke fiel milder aus als nötig, als ich das Tafelbild sah:

Розочка ( Rosotschka, Röschen)

 

Farbtupfer an Schule und Hochschule

Nach der ereignisvollen Woche mit dem Projekt „Komm wieder, aber ohne Waffen“ tritt bei uns der Alltag ein. Uns wird auch bewusst, dass sich unsere Zeit in Nischni langsam dem Ende zuneigt. Genau heute in vier Monaten fliegen wir nach Deutschland zurück. Und wenn wir uns auch auf Familie und Freunde, auf Fahrrad und Wandern freuen, so stellt sich doch so etwas wie Abschiedswehmut ein.

In Deutschland werden wir die vielen kleinen Erlebnisse nicht haben, die uns hier als gern gesehenen Ausländern immer wieder begegnen. So wird mir der Friseur sicher den Lohn für seine Arbeit ohne weiteres abnehmen. Hier wollte die junge Friseurin in dem kleinen Laden nebenan kein Geld von mir, weil sie es so aufregend fand, einem Ausländer die Haare schneiden zu können. Sie nannte auch keinen Preis und nahm die Scheine erst nach langem Zögern.

Auch die unerschöpfliche Quelle für überraschende Beobachtungen in der Straßenbahn wird sich in Deutschland nicht auftun. Beispiele: Durch einen Stau kommt die Tram nur schrittweise voran. Das nutzt der Fahrkartenschaffner, um nach einem kurzen Gespräch mit der Fahrerin auszusteigen und bis zur nächsten Ampel nebenherlaufend eine Zigarette zu rauchen. Oder die Schaffnerin, die die Zugestiegenen nur nach jeder zweiten Haltestelle abkassiert, weil sie auf dem in allen Wägen reservierten Platz für den Kondukteur sitzt und ein offensichtlich spannendes Buch liest.

Und nicht zuletzt die Fußgängerzone Bolschaja Pokrowskaja, die immer heiter zu sein scheint mit ihren Verkaufsständen, Musikern, Prospektverteilern,  auf der es aber auch häufig politische Aktionen gibt.

Am letzten Samstag standen in der Nähe des Theaters in gebührendem Abstand voneinander sieben junge Menschen, die mit Schildern in den Händen gegen die Verfolgung der Teilnehmer an die von Nawalny organisierten Antikorruptionsdemonstrationen protestierten. Es ist hier erlaubt, als Einzelner mit Plakaten für seine politischen Ansichten zu werben, mehrere Personen müssten für ihre Aktion eine Genehmigung einholen. So haben wir schon öfter einzelne Personen stehen sehen, die auf Plakaten ihre Forderungen erheben.  Dabei gibt es ein weites Themenspektrum von der Freilassung von Angehörigen aus der Haft bis zur Rehabilitierung von Stalin.

Einer der sieben Protestierenden auf der Bolschaja Pokrowskajа (22.04.17)

Eineinhalbtausend Festnahmen in Russland, über tausend in Moskau, über 40 in Nischni. Strafen von 10 – 20 Tausend Rubeln. Strafverfahren. Was ist das? (gemeint ist: was machen wir hier?) Ein Staats-Umsturz? Nein, es ist ein Meeting gegen Korruption.

Auf anderen Plakaten wurde gegen den politischen Druck protestiert, dem Schüler, die an den Demonstrationen teilnahmen und deren Eltern ausgesetzt sind. Oder es wurde gefragt, warum das in der Verfassung garantierte Recht auf Demonstrationen nicht eingehalten wird. In den Diskussionen haben vor allem ältere Leute den Erfolg dieser Aktionen bezweifelt, denn: „In allen Ländern dieser Welt gibt es Korruption“ und: „Gerechtigkeit gibt es nur im Himmel.“

Zu diesen Beobachtungen passt eine Information aus dem Blog Erlangenwladimir.wordpress.com vom 22.04.17. Dort schreibt Peter Steger:

„Seit gestern hat Alexej Nawalny auch in Wladimir eine Vertretung, von wo aus sein Wahlkampf um das Präsidentenamt im nächsten Jahr unterstützt werden soll. Derzeit bereist der Oppositionspolitiker die Hauptstädte des Goldenen Rings, um – wie in allen Regionen des Landes – Büros zu eröffnen. (Einschub von mir: Das gilt dann wohl auch für Nischni). .……. Bei aller Kritik also, die man äußern mag, ist die russische Demokratie doch lebendig genug, auch einen derart umstrittenen Kopf um Stimmen werben zu lassen.“

Die Diskussionen hatten uns durstig gemacht, wir gingen nach einem Spaziergang entlang der Kremlmauer in das Restaurant „Expedizia“ unterhalb des Kreml, ein Lokal von dem man einen schönen Blick auf die Wolga hat. Mit einem echten Hubschrauber, einer künstlichen Jurte und drei noch künstlicheren Eisbären ist es ungewöhnlich ausgestattet. Es bietet Speisen und Delikatessen aus den nördlichen und östlichen Regionen Russlands an. Alles ist sehr exquisit: Wir tranken einen Tee aus 36 sibirischen Kräutern, wirklich ungewöhnlich guter Geschmack, ungewöhnlich auch der Preis von 600 Rubel (10 Euro) für 0,8 Liter. Aber wieder eine gern gemachte Erfahrung in diesem Land der Gegensätze!

Promenade an der Westmauer des Kreml mit Blick auf die Wolga

Schulnotizen

Letzten Freitag wurde der Film, den zwei Kamerateams während Wolfgang Morells Aufenthalt in Nischni aufnahmen, innerhalb der Hauptnachrichten von NTV um 19 Uhr gesendet. Gezeigt wurde das Wiedersehen von Wolfgang, dem ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen und Zhanna, der ehemaligen Komsomolzin nach 68 Jahren! Es ist ein bewegender Film, auch für Leute, die den russischen Kommentator nicht verstehen: http://www.ntv.ru/novosti/1798545/. Der Film kann demnächst auch unter YouTube angesehen werden, Titel: „Wolfgang Morell und Zhanna Woronzowa“.

Aber auch sonst hatten die letzten Wochen außer dem Projekt einige ‚Farbtupfer‘ aufzuweisen:

Am Tag vor dem 23. Februar, dem Tag des Vaterlandsverteidigers, wurde bei uns an der Schule der ‚König der Schule‘ gekürt. Ein zweistündiges Programm, in dem die Mädchen den Jungs bewundernde Lieder sangen, und die Jungs ihre Männlichkeit beweisen mussten: Wer kann am besten Nägel einschlagen? und: Wer ist der Stärkste beim Armdrücken…?

Am 18. März, nach dem internationalen Frauentag am 8.3. wurde dann die ‚Königin der Schule‘ gesucht und gefunden: Wer kann jeweils innerhalb von 3-5 Minuten am besten Knöpfe annähen, mit 250 Rubel den attraktivsten Einkaufszettel für ein Frühstück zu zweit erstellen, die kreativste Glückwunschkarte zum 8. März anfertigen, seinen Traummann zeichnen? Und dann – im zweiten Teil – den besten Beitrag für ein Konzert (Tanzen, Singen) liefern? Abgesehen davon, dass beide Veranstaltungen zeigten, dass hierzulande die Welt bezüglich der Rollenverteilung noch in Ordnung ist, zeugten vor allem die kreativen Teile von großer Meisterschaft: Die Karten und Zeichnungen, die professionelle Art zu tanzen und zu singen machten wieder einmal bewusst, wo unsere Schülerinnen und Schüler die Nachmittage (zweimal die Woche, drei bis vier Stunden) verbringen: in einer Kunst- Musik- oder Tanzschule. Diese sind – ein Relikt aus sowjetischer Zeit – fast kostenlos und werden immer noch von der Bevölkerung sehr angenommen.

     

 

Auch an der Linguistischen Universität gab es zwei Wettbewerbe, bei denen ich in der Jury war. Der erste – der Phonetik-Wettbewerb war, dem trockenen Namen zum Trotz – sehr kurzweilig. Im ersten Teil sollten die Studentinnen und Studenten des 1. Studienjahres ein Gedicht ihrer Wahl aufsagen; im zweiten Teil einen unbekannten Prosatext, den sie wie ein Los zogen, unvorbereitet lesen. Interessant für Jury und Zuhörer waren die Gedichte (Schiller, Goethe, Heine, Rilke, aber auch Mascha Koleko…) vor allem durch die phantasievolle Art der Präsentation: durch ein Frühlingskleid, passende Hintergrundbilder… Denn, um das Alltagsgeschäft der Phonetik ging es auch im 1. Studienjahr schon nicht mehr. Klassische Probleme wie das rollende ‚R‘, zu stimmhafte Konsonanten oder falsche und zu kurze Vokale (Man muss das Läbben äbben nämmen, wie das Läbben äbben ist!) hatte man längst überwunden.

Beim 2. Studienjahr wurden im ersten Teil dann keine Gedichte, sondern selbstgewählte Prosatexte auswendig deklamiert. Die Auswahl reichte von einem Auszug aus dem Kommunistischen Manifest („Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“) über Kafka („Brief an Felice“), Klaus Mann („Mephisto“) bis zur „Blechtrommel“ von Günter Grass.

Zwei Wochen später durfte ich bei einem weiteren, höchst vergnüglichen Wettbewerb an der Linguistischen Universität in der Jury mitstimmen: Dem Festival des deutschen Liedes. Teilnehmer waren sowohl Schüler als auch Studenten. Hier die Fotos der Preisträger.

„Alle Vögel sind schon da“ erhielt den 3. Preis in der Gruppen-Kategorie

 2. Platz: „Was wollen wir trinken 7 Tage lang?…“ (von der holländischen Gruppe Bots, 2000)

 Den 1. Preis in der Kategorie „Solo“ bekam ein kleines Mädchen mit einem Jahreszeitenlied. 

Das Foto des 1. Preises der Gruppen-Kategorie fehlt: Schüler aus unserer Schule mit dem Lied: „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“ (Erinnert ihr euch: Trude Herr, 1965). Die Bühnenshow war so atemberaubend, dass ich vergaß zu fotografieren.

Und ansonsten: eine nette Feier zum 55. Geburtstag im Lehrerzimmer…

 

…und Ostern in der 3. Klasse:

 

 

 

 

 

 

Komm wieder- aber ohne Waffen

Auf der Oberen Wolga Uferstraße (Верхне Волжская Набережная) steht neben der hellblau gestrichenen Stadtvilla der Rukawischnikows ein ockerfarbenes Haus, das 1953 kurz vor Stalins Tod fertiggestellt wurde und als Wohnhaus für verdiente Wissenschaftler, Künstler und Politiker diente.

k-84-ber-1Das ockerfarbige Wohnhaus auf der Oberen Uferstraße (Aufgenommen am 21.09.2014)

Wir waren von einer Kollegin von Rose, einer Lehrerin am Gymnasium Nr.1, in dieses Haus eingeladen worden. Sie lebt dort mit ihrer Familie im fünften Stock in einer großen Vier-Zimmer-Wohnung. Diese war ihrem Schwiegervater Nikolaj Sacharowitsch Tremasov, einem der Gründer des НИИИС (Sedakov-Forschungsinstituts für atomare Messanlagen) und dessen führender Konstrukteur, als Dienstwohnung zugewiesen worden. Er hätte sie nach seiner Pensionierung verlassen müssen, aber die Wende kam dazwischen. Die Wohnung ging in der Jelzin-Ära im Rahmen der allgemeinen Privatisierung von staatlichem Wohnungseigentum an die Familie über.

Da ist, wie zu erwarten, alles großzügig: eine große Diele, große Zimmer, Küche, Bad und WC, hohe Räume mit stuckverzierten Decken und ehrwürdige Möbel.  An den Wänden viele Bilder, oft Werke der Schwester, einer in Moskau lebenden Malerin, Andenken und Fotos aus der Schaffenszeit des Schwiegervaters und viele Bücher. Überwältigend ist die Aussicht über die Wolga auf die Stadt Bor und das weite Land, selbst bei Dunkelheit.

k-84-ber-2Abendlicher Blick auf Wolga und die gegenüberliegende Stadt Bor (05.02.17)

Das alte Haus mit seinen schlecht isolierten Wänden und die Lage der Wohnung im obersten Stockwerk hatten eine von uns nicht erwartete Konsequenz: die Wohnung lässt sich schlecht heizen und es ist das erste Mal seit wir in Russland leben, dass wir in kühlen Räumen saßen und uns gern Decken über die Schultern legen ließen.

Wer kennt „Russe blau“? Das hat nichts mit einem Russen nach erhöhtem Wodkakonsum zu tun, sondern ist der Name einer Katzenrasse, von der ein Vertreter in der Familie unserer Gastgeberin lebt. Wikipedia schildert diese Katze als mittelgroß, elegant und in allem ausbalanciert. Es handelt sich um eine Naturrasse, d. h., sie wurde nicht zu ihrem Aussehen gezüchtet, sondern trat so in der Natur auf.“ Ihr wird eine ausgeglichene, verschmuste,

k-84-ber-3Russe blau – die elegante Katze.

ruhige Art mit starker Bindung zu Menschen nachgesagt. Was wir bestätigen können: sie interessierte sehr für mich und war erst zufrieden, als sie nach dem reichhaltigen Essen auf meinem Schoß schnurren durfte.

k-84-ber-4Eingang zum Парк им. 1. Мая – wörtlich Park namens 1. Mai

Unsere Gastgeberin führte uns danach in den Park 1. Mai, der in der Nähe des Moskauer Bahnhofs in der Unterstadt liegt. Früher sei es ein stiller Park gewesen, jetzt hörte man aus den Fahrgeschäften und aus den Vergnügungspavillons laute Musik. Gegenüber steht eine mächtige Ruine, der ehemalige Lenin-Kulturpalast (Дворец культуры им. Ленина), der seit 20 Jahren dem Verfall preisgegeben ist.

k-84-ber-5Ruine des Kulturpalastes Lenin

Bei großer Kälte (-19°) liefen wir durch abendliche Straßen zu unserem nächsten Ziel: einem russischen Holzhaus aus den 1930er Jahren, das der Familie der Gastgeberin gehört. In der Nähe von großen Plattenbauten auf der Hauptstraße stehen in einer Nebenstraße eine Reihe von zweistöckigen Holzhäusern. In einem davon lebt der Bruder mit seiner Frau. Wir wurden auch hier wieder gastfreundlich empfangen und verbrachten bei russischen Leckereien und lebhaften Gesprächen einen interessanten Abend.

k-84-ber-6Wie im Märchen – und das mitten in der Stadt

Den Eheleuten gehört an der Oka am Stadtrand ein großes Terrassengelände, auf dem sie Obst und Gemüse anbauen. Stolz wurden uns Erdbeer- und Himbeer-Varenje (flüssige Marmelade), Pilze und eingelegte Salzgurken aus dem eigenen Garten angeboten. Sogar Weintrauben reifen in den warmen Sommern dort. Der gekelterte Wein wird allerdings mit Zucker nachgesüßt. Die Weinstöcke werden im Winter abgedeckt und überstehen so den Frost. Jetzt sind die beiden dabei, in Eigenbau auf dem Grundstück ihren künftigen Wohnsitz zu errichten. Wir sind zu einer Besichtigung in drei Jahren eingeladen. Dann soll das Haus fertig sein – wir würden der Einladung sehr gern folgen. Schaun mer mal.

 

Im Blog „Erlangenwladimir“ vom 8. Februar 2017 erwähnt Wladimirpeter einen Luftangriff der deutschen Luftwaffe auf Nischni Nowgorod im Zweiten Weltkrieg. Es heißt dort in der Einleitung:

„Dieser Tage veröffentlichte die Internetplattform Zebra-TV eine Aufnahme der Deutschen Luftwaffe, die 1945 in den Bestand des Nationalarchivs und der Bibliothek des Kongresses überführt wurde (s. https://is.gd/TQC9VS). Entstanden ist das überraschend scharfe Bild am 21. Juli 1942, also gerade einmal einen Monat nach dem Überfall auf die UdSSR, aus einer Höhe von 8.700 Metern, wohl beim Überflug einer Junker 88 auf dem Weg nach Gorkij, dem heutigen Nischnij Nowgorod, wo die Bomben abgeworfen wurden“.

Zum Thema deutsche Luftangriffe gibt es hier in Nischni eine merkwürdige „Stadtlegende“. die uns ein Taxifahrer im September 2016 mit voller Überzeugung erzählte. (Siehe unseren 63. Bericht). Der Hinweis im Blog Erlangenwladimir veranlasst uns zu schreiben, was wir in der Zwischenzeit darüber erfahren haben. Von 1934 bis 1937 wurde in der Nähe des hiesigen Autowerkes die Poliklinik Nr. 37 gebaut. Wie die Luftaufnahme (Google Earth) zeigt, erinnert ihr Grundriss an ein Hakenkreuz und das ist Anlass, zu der abenteuerlichen Legende. Danach hätten deutsche Architekten die Klinik absichtlich in dieser Form errichtet, um den deutschen Bombern den Weg zu der Auto- und Waffenfabrik zu weisen. Das ist absurd, wird aber offensichtlich weitererzählt und geglaubt. Auf das damalige Gorki und auf das Autowerk gab es vor allem ab Juni 1943 viele Bombenangriffe, mit denen die Waffenproduktion gestoppt werden sollte, was aber nicht gelang.

k-84-ber-7Poliklinik Nr. 37

 

 

Schulnotizen – „Komm wieder, aber ohne Waffen“

Mit meiner Kollegin Marina und den Schülerinnen und Schülern der zehnten Klasse, mache ich zurzeit ein Projekt über deutsche Kriegsgefangene in Wladimir und Gorki (heute: Nischni Novgorod) mit dem Titel „Komm wieder, aber ohne Waffen“.

Prolog – Mein Vater

Mein Vater wurde 1914 in Schramberg im Schwarzwald geboren. Eigentlich wollte er Sprachen studieren, doch weil er als einziger Sohn einer Kriegerwitwe aus dem Ersten Weltkrieg die väterliche Bäckerei übernehmen sollte, lernte er nolens volens Bäcker – als Kompromiss im französischsprachigen Genf. Ab 1940 war er Soldat, 1944 geriet er im Baltikum in sowjetische Kriegsgefangenschaft, bis 1950 war er in Lagern in Kritschew und Mogilew (Weißrussland). Mein Bruder und ich sind in den frühen 50er Jahren geboren und unsere Kindheit war geprägt durch die Geschichten unseres Vaters von der Gefangenschaft. Ich weiß es noch wie heute, wie wir jeden Sonntag auf seinem Schoß saßen und seinen Geschichten zuhörten. Diese ist eine davon:

Sie hockten im Schützengraben. Um sie herum seit Tagen Granateinschläge und Gewehrfeuer. Kameraden wurden getroffen, schrien vor Schmerz, starben „wie die Fliegen“. Alle wussten, wie hoffnungslos die Lage war. Es war nur eine Frage der Zeit, bis man auch erwischt wurde – oder in Gefangenschaft kam. Dann war es soweit. Franz blickte aus seinem Schützengraben auf zu einem Rotarmisten, der das Gewehr auf ihn gerichtet hatte und ruhig sagte: „пошли“ („gehen wir“). Der Soldat hatte Schlitzaugen, war vielleicht ein Kasache. Er untersuchte Franz nicht nach Waffen. Der hatte noch seine Mauser und dachte: „In Gefangenschaft gehe ich nicht. Bei nächster Gelegenheit erschieße ich den ‚Russen‘ und dann mich.“ Als sie an einem Apfelbaum vorbeikamen, holte der Kasache einen Apfel vom Baum und gab ihn Franz. Dann pflückte er einen zweiten, den er selbst aß. Franz warf seine Mauser ins Getreidefeld und ging in Gefangenschaft, wo er fünf Jahre bleiben sollte.

Im Lager wurde er Lagerbäcker. Ein tschechischer Pfarrer brachte ihm Russisch bei: Mit Kohle schrieb er Vokabeln und Grammatikregeln auf leere Mehlsäcke. Später wurde er Lagerdolmetscher – beide Aufgaben haben ihm wohl das Leben gerettet.

Russland und die Russen haben meinen Vater sein Leben lang nicht losgelassen. Als er mit 55 einen Herzinfarkt hatte, gab er die Bäckerei auf und leitete das Fremdenverkehrsamt in Schramberg. Abends gab er Russisch- und Italienischkurse an der Volkshochschule (Italienisch hatte er neben Französisch in Genf gelernt). Nach seiner Pensionierung wurde er Reiseleiter und führte mehrere Reisen u.a. nach Russland.

Mich haben seine Geschichten auch geprägt und sie sind sicher ein Grund, warum ich russische Literaturwissenschaft studiert habe und jetzt in Nischni Nowgorod lebe. Und so sind sie die Vorgeschichte zu meinem derzeitigen Projekt, von dem ich im nächsten Bericht erzählen werde.

 

Business Lunch – Mailwechsel mit Vika

Auf der Ilinskaja Ulitza bekommt man im „Кафе Луиджи“ (Café Luigi) für wenig Geld ein „Бизнес Ланч“ (Bisnes Lantsch), wie auch in vielen anderen Restaurants der Stadt. Das Café Luigi liegt nur 100 Meter von uns entfernt und wir essen dort seit einiger Zeit hin und wieder zu Mittag.

k-83-ber-1Café Luigi auf der Ulitza Ilinskaja

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Im Café Luigi

In dem kleinen Gastraum mit sechs Tischen bedienen zwei junge Frauen mit Umsicht und Eifer. Für die täglichen Stammgäste sind zwei Tische reserviert. Es war wieder interessant zu beobachten: das erste Mal wurden Rose und ich wie üblich korrekt bedient, beim zweiten Mal empfing uns ein wiedererkennendes Lächeln und jetzt sind wir ebenfalls so etwas wie Stammgäste.

Die Speisekarte weist für jeden der vier Gänge (Salate, Suppen, Hauptgericht, Beilagen) jeweils drei kleine Gerichte zur Auswahl aus. Wenn man für mehr als 160 Rubel (2,50€) bestellt, ist ein Getränk frei, und dann bekommt man noch 10% Rabatt (Снидки) auf das Ganze. Die Speisen werden frisch zubereitet, die Portionen sind nicht groß, aber ausreichend. Für Leute wie mich, die wegen der Fructose/Sorbit-Intoleranz nicht alles essen dürfen, wird auch rasch etwas anderes zubereitet, wenn sich auf der Speisekarte nichts Sorbitfreies findet. Wir zahlen für uns Zwei im Mittel etwa 600 Rubel, nach derzeitigem Kurs etwas weniger als zehn Euro. (1 € = 64 Rubel). Wie in allen Restaurants läuft ständig das Fernsehen – hier auf zwei Apparaten -, allerdings mit Filmen vom Wellenreiten in der Südsee oder vom Tauchen und Schnorcheln. Und die Musik stammt im Café Luigi natürlich aus Italien, oft Schlager aus den 60er und 70er Jahren.

Kürzlich begrüßte uns Ira mit „Es ist warm draußen, nur minus 12 Grad“ –gestern waren 18 bis 20 Grad. Dies hat unseren Plan bestärkt, im Naturschutzgebiet Scholkowski Chutor Ski zu fahren.

k-83-ber-3Start zum Langlauf im Naturschutzgebiet Scholkowski Chutor

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Hier gibt es Tschai, Kofe, Bliny – und das On Line

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Schlitten sind nicht zu sehen – nur Schlauchboote und Reifen

Schulnotizen

Heute möchte ich einen kleinen Mailwechsel – anlässlich der Vorbereitung der mündlichen Prüfung für DSD 1 – veröffentlichen, der beispielhaft zeigen soll, warum ich so entzückt bin von den Schülern hier. Den Namen der Schülerin habe ich geändert. 

Liebe Rose

Thema heiß „Deutsche Hunderasse“

Plan: 1)Welche Rassen gibt es in Deutschland 2)Meine Liblingshunderasse ist Spitz 3)Geschichte der Rasse 4)Die Relevanz der Rasse in Russland 5)Warum will ich gerade Spitz Viele Grüße

deine Vika

 Liebe Vika,

zuerst muss ich dich als deine Deutschlehrerin ein bisschen sprachlich korrigieren: Der Anfang deiner Mail muss heißen: Liebe Frau Ebding, der Schluss: Ihre Vika.

Zu deiner Struktur: Mein Thema heißt „Deutsche Hunderassen“ Sage auch, warum du das Thema gewählt hast. Zu 2) Meine Lieblingshunderasse ist der Spitz (Das ist vermutlich das gleiche wie 5?) 3 und 4 ist ok.

Viele Grüße R. Ebding

entschuldigen Sie bitte! Ich weiß nicht in welcher der korrekten Form schreiben E-Mails. Also ich wollte Euch nicht beleidigen! Aber ich habe alles verstanden! Danke schön,dass Sie mich korrigieren.

Okay,und dann muss man so sein?

1))Deutsche Hunderrasse und warum ich habe diese Theme  gewählen 2) Meine Liblingshunderasse ist Spitz und warum 3)Geschichte der Rasse 4)Die Relevanz der Rasse in Russland

 

Wintereindrücke aus Nischni Nowgorod

Eine Erkältung hat uns zur Ruhe gezwungen. Wir hatten so Gelegenheit, mehr als sonst Nachrichten zu hören und Zeitungen zu lesen; in beiden war in der vergangenen Woche Trump das Hauptthema. Seine Vereidigung und die Amtsübergabe an ihn wurden in den Abendnachrichten des russischen Fernsehens als erste Meldung gebracht, unseres Eindruckes nach sachlich und ausführlicher als in der ARD, wobei die einzelnen Themen hier generell länger abgehandelt werden als bei uns. Ein Taxifahrer sagte uns, ein neuer, unbekannter US-Präsident sei besser als eine allzu wohlbekannte Hillary, von der man weiß, dass sie Russland gegenüber sehr negativ eingestellt ist. Außerdem könne es (das russisch-amerikanische Verhältnis), nur besser, kaum schlechter werden.

An der Brücke „Universitetsky“ über die Schlucht ganz in unserer Nähe wird oft das Abseilen geübt, vermutlich von Sportstudenten, bei dieser Tage etwa minus acht Grad. Ein Stück weiter an der Schlucht bei der alten Poststraße fand am Sonntag wieder Bungee Jumping statt. Beides nicht gerade typische Wintersportarten! Die Kälte hat offensichtlich nicht sehr gestört.

k-81-ber-1Abseilen an der Brücke „Universitetsky“

Die Spielplätze zwischen den Häuserblöcken sind dick mit Schnee bedeckt, die bunten Rutschen und Schaukeln werden von den Kindern dennoch eifrig benutzt.

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Winter“-Spielplatz

k-81-ber-3Baby Schlitten

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Eiszapfen

Weil vor vielen Häusern kleine Vorgärten sind, gefährden die Eiszapfen, die drohend an manchen Balkonen hängen, niemanden wenn sie herunterbrechen. In der Regel werden sie gezielt abgeschlagen, was ein spektakuläres Schauspiel sein kann!

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Obststand bei Euro-SPAR, Aufnahme vom 24.01. 2017

Ich habe bei Euro-SPAR notiert, woher das angebotene Obst stammt:

  1. Ananas                             Elfenbeinküste
  2. Äpfel                                Russland, Serbien, China
  3. Aprikosen                        Südafrika
  4. Avocado                            Israel
  5. Bananen                           Ecuador
  6. Birnen                               Argentinien, Russland
  7. Granatäpfel                        Ägypten
  8. Grapefruit                          Türkei, Israel,
  9. Kokosnuss                         Elfenbeinküste
  10. Mandarinen                         Marokko
  11. Mango                              Peru
  12. Melonen                            Brasilien
  13. Orangen                            Türkei
  14. Papaya                             Brasilien
  15. Pfirsich                              Marokko
  16. Pflaumen                           Südafrika
  17. Wassermelonen                  Thailand
  18. Zitronen                            Türkei

Gestern hat es den ganzen Tag geschneit. Die Schneeräumer kamen kaum nach. Die am Morgen geparkten Autos waren abends mit mehr als 20 cm Schnee eingepackt. Heute ist die Temperatur auf minus 14 Grad gesunken und es ist sonnig und wolkenlos. Accu-Weather verspricht uns morgen minus 23 Grad.

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k-81-ber-7..und das alles mitten in der Stadt

 

 

Mein Schulweg in Nischni Nowgorod

 

Heute will ich meinen Schulweg beschreiben, der mich immer wieder aufs Neue freut. Bis vorgestern war er noch weihnachtlich geschmückt. Jetzt – nachdem das „Neue Alte Jahr“ (am 13. Januar, eine Woche nach dem orthodoxen Weihnachten am 6. Januar) vorbei ist, wird die Weihnachtsdekoration überall abgebaut.

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Die erste Schönheit auf meinem Schulweg, schräg gegenüber von unserem Haus, ist das ЗАГС , das Standesamt. Еs ist in der ehemaligen Villa des Kaufmanns Ikonnikov  untergebracht und wurde von 1903-1905 im eklektizistischen Stil gebaut. Vor allem am Wochenende werden wir Zeugen vieler Märchenhochzeiten mit Stretchlimousinen, Hubkonzerten und Fototerminen im kleinen Park unter der Eberesche oder auf den schmiedeeisernen Brückchen und Bänkchen.

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Gleich daneben liegt eine Filiale der  SAROV Business Bank (САРОВ Бизнес Банк), ein Juwel im Neo-Jugendstil, das im Volksmund „die kleine Truhe mit dem Schlösschen“ (Сундучок с Замочком) genannt wird. Die Bank wurde in den 90er Jahren vom berühmten Nischegoroder Architekten Aleksander E. Charitonov erbaut. Auf meinem Schulweg mit weihnachtlicher Dekoration sieht sie so aus:

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Danach muss ich mich entscheiden, ob ich über die Schlucht oder die Fußgängerzone weitergehe. Da es noch dunkel ist, entscheide ich mich für die Fußgängerzone.

Dann biege ich nach links in die Fußgängerzone ein. Sie ist 1,3 Kilometer lang und neigt sich ein bisschen nach unten Richtung Kreml, den man deshalb immer im Blick hat. Die Gebäude rechts und links sind zumeist Kaufmannshäuser aus dem 19. Jahrhundert, als Nischni durch die Messe zum „Geldbeutel Russlands“ wurde. (Man nannte damals Moskau das Herz, St. Petersburg den Kopf und Nischni den Geldbeutel des Landes)

Zu jedem Gebäude könnte man eine Geschichte erzählen und Fotos zeigen, und wir haben dies auch schon an anderer Stelle getan. Ich aber muss in die Schule, die um 8 Uhr beginnt. Deshalb eile ich die Pokrowka, wie sie auch kurz genannt wird, hinunter und halte erst wieder vor dem Theater, das mich auch in der vorweihnachtlichen Schneekulisse wieder begeistert. Gerade wird das Nachtasyl (На Дне) von Maxim Gorki gespielt, dem berühmtesten Sohn der Stadt, nach welchem diese von 1932 bis 1990 benannt war.

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Ich begrüße kurz Ewgeni Jewstignejew, den berühmten sowjetischen Schauspieler, der 1926 in Nischni Nowgorod geboren wurde, und 1992 in London starb.

 

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Inzwischen bin ich so nahe am Kreml, dass ich ihn schon gut fotografieren kann:

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Am Ende der Pokrowka liegt der Minin-Platz, auf dem sich auch meine Schule befindet. In der Ferne vor dem Tschkalov-Denkmal und rechts vom Kreml leuchtet der größte Weihnachtsbaum der Stadt. 

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Es ist schon fast hell, als ich um 7.45 Uhr nach etwa 30 Minuten bei meiner Schule ankomme.

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 Jetzt habe ich noch 15 Minuten. Das reicht, um meine dicke Winterkleidung abzulegen. Es herrschen minus 18 Grad.

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Am Nachmittag wähle ich den Heimweg über die Schlucht. Wenn man danach nach Hause kommt, ist man fast schon wieder erholt.

 

Winter – Spendensammlung

Seit Ende November ist hier ein russischer Winter, so wie man ihn sich in Deutschland vorstellt. Nach heftigen Schneefällen am ersten Dezember-Wochenende herrscht große Kälte mit Temperaturen unter minus zehn Grad. Dabei scheint oft die Sonne. Die trockene Kälte und der Sonnenschein laden zu Spaziergängen ein, bei denen es sehr aufpassen heißt, denn die Wege und Straßen sind glatt, sehr glatt sogar. Tückisch wird es vor allem dann, wenn eine dünne Schneedecke das Eis bedeckt und man von der gefährlichen Glätte nichts sieht. An den Rändern der Bürgersteige türmen sich wieder dicke Schneeberge. Die Hauptstraßen werden rasch geräumt und dank der Spikes fahren die Autos sicher – und knirschend.

Zu den Freuden des Winters gehört das Ski-Langlaufen, was wir am letzten Sonntag im November zum ersten Mal in diesem Winter in das Naturschutzgebiet Scholkowski Chutor genossen. Die drei Seen sind zugefroren und bieten eine gute Unterlage für die Loipen, die leider nicht gespurt sind. Wir sahen wieder einen der harten Männer, der an einer eisfrei gehaltenen Stelle kurz in das kalte Wasser stieg. Und wir trafen ein Ehepaar beim Eisfischen, das schon einige kleine Fische geangelt hatte. Beide redeten gern mit uns, dennoch ließ sich die Frau nicht fotografieren.

k-79-ber-1Der Eisfischer auf der Kühlbox, rechts der Eisbohrer und vorn die Ausbeute

Zu unseren Winterfreuden gehört es auch zu sehen, wie der Schnee die Welt verändert hat, die weiße Pracht in den Parks und auf den Flüssen oder die weißen Pulverdecken auf den Bronzefiguren der Bolschaja Pokrowskaja.

k-79-ber-2Dame mit Kind vor dem Souvenir Geschäft

k-79-ber-3Fotograf mit Hund vor Еьл Капоне (El Capone)

In dieser Woche fand die Jahresversammlung der ICANN statt, der „International Community Association of Nizhniy Novgorod“. Im Jahresrückblick wurde über die für industrielle Mitglieder wichtigen Veranstaltungen berichtet (Rechts- und Versicherungsfragen, Kontakte zur Stadt- und Regionsregierung) und über die „Social Events“, an denen wir oft teilnahmen und über die wir berichteten.

Auf dem Dia mit den Mitgliedern werden vier „individual Members“ angezeigt, da stecken wir drin! Auffallend, dass bei den Autofirmen Mercedes fehlt, obwohl diese Firma hier in der ГАЗ (GAS – Gorki Awto Sawod) produziert. Dagegen ist Volkswagen vertreten; deren hiesiger Firmenleiter Dr. Florian Reiter ist zurzeit Präsident der ICANN.

Im nächsten Jahr soll eine ICANN Soccer League gebildet werden, neben den regelmäßigen Treffen der Internationalen Runde zu Gesprächen und den Stadtführungen und Museumsbesuchen eine weitere Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. Wir nutzen das gern!

k-79-ber-4Mitglieder der ICANN, Stand Ende 2016

Unter den 2016 neu dazugekommenen Mitgliedern sind zwei französische Aktivitäten, die wir noch kennenlernen wollen: die CREF und die P´titCREF (Petit Center Russian English French). Letztere ist ein Kindergarten für Kinder ab drei Jahren, in denen in den genannten drei Sprachen gearbeitet wird. Ein weiterer Versuch auf privater Ebene die Kontakte zwischen westeuropäischen und russischen Menschen zu vertiefen!

Allmählich wird auch hier in der Stadt für Weihnachten dekoriert, die ersten Weihnachtsbäume sind aufgestellt. In den Geschäften gibt es – wie auch bei uns in Deutschland – schon seit einiger Zeit Weihnachtssüßigkeiten zu kaufen. Es amüsiert mich immer noch, dort Aufschriften wie HEIDI, Kinder- Mix, Kinder-Friends oder gar „Kinder-Сюрприз“ (Kinder-Surpris) zu lesen.

k-79-ber-5Weihnachtsgeschenke für Kinder bei Euro-SPAR

k-79-ber-5aWeihnachtliches Schaufenster

Mit diesem Bericht verabschieden wir uns für dieses Jahr aus Nischni Nowgorod bis Mitte Januar. Wir wünschen Euch allen ein frohes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und uns allen ein friedlicheres 2017.

k-79-ber-7Erzengel-Kathedrale im Kreml

k-79-ber-6Winterliche Stimmung im Kreml, Blick auf den Iwan-Turm und die Wolga 

Schulnotizen

An unserer Schule organisieren die Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen eine Sammelaktion für die Schüler des Gymnasiums Nr. 1 in Donezk. Gespendet werden Schreib- und Malartikel aller Art. Donezk war vor dem Ukrainekrieg die fünftgrößte Stadt der Ukraine. Seit 2014 ist sie die Hauptstadt der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, in der es trotz des Minsker Waffenstillstandsvertrages immer noch täglich Kampfhandlungen zwischen prorussischen Rebellen und ukrainischen Truppen gibt. „Wir wollen den Kindern zu Weihnachten eine Freude machen. Sie sind die unschuldigen Opfer des Konflikts“, sagt meine Kollegin Marina, die die Elfer bei ihrer Aktion organisatorisch unterstützt.

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