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Neues Marriott-Hotel in Nischni Nowgorod

26.09.16

Nicht weit von uns wurde am 18. Dezember vorigen Jahres das Hotel „Courtyard by Marriott Nischni Nowgorod City Center“ eröffnet – der schwierigen wirtschaftlichen Situation und den Sanktionen zum Trotz. Ein Zeichen der Hoffnung auf bessere Zeiten? Zumindest der amerikanische Hotelkonzern wagte diesen Schritt.

ICANN (International Community Association Nischni Nowgorod) hatte zu einem Empfang und zu einer Weinprobe in das Hotel eingeladen. Das neue Marriott verbindet ein modernes Gebäude mit einem Stadthaus, das der Kaufmann, Schiffsbauer und Bürgermeister Dimitri Wassiljewitsch Sirotkin Ende des 19. Jh. bauen ließ. Das Marriott bietet 143 Zimmer, Tagungs- und Banketträume. Besonders stolz ist man auf eine Präsidentensuite mit eigenem Eingang. Die Einrichtung ist international modern und die angebotenen Häppchen und Kostproben schmeckten so vielversprechend, dass wir das Restaurant bald mal testen werden.

k-69-ber-1Das neue Marriott: vorn das alte Stadthaus, hinten der moderne Neubau

Bemerkenswert war auch die Weinprobe: die Weine kamen vom Weingut „La Madonna“ in der Toskana, was man ja in Nischni Nowgorod nicht so ohne weiteres erwartet. Sie waren durchweg von hoher Qualität. Das Weingut gehört dem Schauspieler, Regisseur und Filmmacher Nikita Michalkow. Er ist seit Jahrzehnten der im In- und Ausland bekannteste russische Regisseur. Für seinen Film „Die Sonne, die uns täuscht“, in dem er die bedrückenden Verhältnisse in der Stalinzeit sehr ergreifend schildert, erhielt er 1994 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Großen Preis der Jury und den Preis der Ökumenischen Jury sowie 1995 den Oskar für den besten ausländischen Film.

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Heute ist er der mächtigste Mann in der russischen Kinobranche, Chef des Verbandes der Filmschaffenden und Freund Putins, wegen seiner inzwischen konservativen Einstellung in der Filmbranche sehr umstritten. Er war der Initiator eines offenen Briefes, in dem Putin 2007 aufgefordert wurde, für eine dritte Amtszeit als Präsident zu kandidieren.

Das Hotel wirbt zu Recht  mit seiner zentrumsnahen Lage an der Ulitza Ilinskaja, viele Sehenswürdigkeiten der Innenstadt sind zu Fuß zu erreichen. Die nähere Umgebung ist aber noch nicht allzu attraktiv. Vor allem die Plotnitschnij Gasse, auf die die Rückseite des Hotels zeigt, bietet mit alten ungepflegten Holz- und Steinhäusern einen traurigen Anblick. Die frühere Pracht ist noch zu erahnen, jetzt prägen bröckelnder Putz und splitterndes Holz das Bild.

k-69-ber-3Hinter dem Hotel verfallende Pracht auf der Plotnitschnij Gasse, sieht auf dem Foto netter aus als in Wirklichkeit

k-69-ber-4Bröckelnder Putz an altem Steinhaus auf der Plotnitschnij Gasse

Auch links neben der Einfahrt zum Hotel von der Ilinskaja aus stören renovierungsbedürftige Bauten, die Nachbarhäuser rechts sind dagegen prachtvolle Schmuckstücke, in zweiter Reihe ist ein großes Wohnhaus in Bau.

k-69-ber-6Hoteleinfahrt von der Ilinskaja aus

k-69-ber-7Prachtvolle Häuser an der frisch asphaltierten Ilinskaja

Die Straße und der Bürgersteig vor dem Hotel sind seit ein paar Tagen endlich saniert. Die Straßendecke war seit drei Wochen abgefräst, die Straßenbahnschienen ragten einige Zentimeter aus dem Boden und den Autofahrern wurden höchste Fahrkünste abverlangt. Auch für uns Fußgänger war Aufpassen angesagt.

k-69-ber-8Die Ilinskaja vor der Asphaltierung

Heute, Sonntag wurden die Bürgersteige in unserer Nähe asphaltiert: ein Bagger schüttet eine Ladung Asphalt auf den Boden, fünf Männer verteilen ihn mit Schaufeln und Planierrechen, eine Walze rollt darüber. Nach kurzer Zeit konnte der Weg wieder begangen werden.

k-69-ber-9Nicht aufgepasst, aber scheinbar kein Grund zur Aufregung. Auch der Regen stört nicht sehr.

In der Stadt sind viele Straßen abgefräst und ich hoffe sehr, dass die Arbeiten bis zum ersten Schnee abgeschlossen sind. Schnee und Frost werden vom Langzeitwetterbericht schon in vierzehn Tagen erwartet – keine große Überraschung in diesem betrüblichen Herbst. Im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren war es heuer oft kalt und regnerisch. Von Altweibersommer keine Spur. Wir haben die heiteren Abende auf der Bolschaja Pokrowskaja mit den Musikgruppen und Straßenkünstlern vermisst.

Der oben als Besitzer des Stadthaueses erwähnte Schiffsbauer und Bürgermeister Sirotkin war ein enger Freund Maxim Gorkis und eine prägende Persönlichkeit für Nischni Nowgorod. Wikipedia.org zählt eine lange Reihe von kommerziellen Führungsämtern auf, er war auch Vorsitzender zahlreicher Kongresse der Altgläubigen. Kein Wunder, dass er nach der Revolution 1917 das Land verlassen musste. Geboren wurde er 1864 im Dorf Astapowo im Bezirk Nischni Nowgorod, gestorben ist er 1953 in Belgrad. Seine Spur verliert sich nach seiner Emigration. (Da möchte man mehr wissen!)

In seiner Amtszeit als Bürgermeister kam ein berühmtes Gemälde endgültig nach Nischni Nowgorod: Konstatin Egorowitsch Makowskis (1839-1915) „Aufruf Minins“ (Константина Егоровича Маковского «Воззвание Минина»). Das Monumentalbild von 7 mal 6 Metern zeigt wie die Nischegoroder 1612 für die Befreiung Russlands spenden. Der Kaufmann Minin hatte dazu aufgerufen. Er führte dann zusammen mit dem Fürsten Poscharski die Aufständischen nach Moskau und vertrieb die Polen aus Russland.

Das Bild ist gewaltig, mehr als 700 Menschen sind zu sehen, die sich vor dem Kreml auf dem jetzigen Platz der Einheit drängen. Erstmals wurde es 1896 bei der Allrussischen Messe in Nischni Nowgorod in einem eigenen Holzpavillon ausgestellt. 1908 kaufte es der Kaiserliche Hof im Zusammenhang mit den Feiern zum 300jährigen Bestehen der Romanows. Es hing ab da im Haus der Duma am Eingang zur Bolschaja Pokrowskaja gegenüber dem Kreml. 1972 kam es in einen eigens dafür errichteten Anbau an die Stadtvilla der Sirotkins, jetzt Kunstmuseum, auf der Oberen Wolga-Uferstraße. Minin wurde in der Sowjetzeit als Mann aus dem Volk hoch verehrt. Wir finden es interessant, dass auf diesem Ende des 19. Jh. (also in der Zarenzeit) entstandenen Gemälde nur der bürgerliche Minin abgebildet ist und nicht auch der Fürst Poscharski.

k-69-ber-10Auf 42 m² ein für Nischni Nowgorod wichtiges Ereignis von 1612:  „Minins Aufruf“ von Konstatin Makowski

In den anderen Räumen des Museums sind Gemälde und Skulpturen aus Europa und Deutschland ausgestellt. Dabei fielen uns die ungewöhnlich vielen unbestimmten Herkunftsangaben auf. Der Maler war oft anonym, Entstehungsorte und -zeiten nur grob angegeben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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